BMW trotzt Euro 7: V12, V8 und Reihensechser bleiben – das überraschende Comeback, das Puristen jubeln lässt
BMW bekennt sich weiter zur Vielfalt: Trotz der Debatten um strengere Emissionsstandards wie Euro 7 will der Fahrzeughersteller an großen Verbrennungsmotoren festhalten. Joachim Post, Chief Technology Officer von BMW, hat in einem Interview dargelegt, dass V12-, V8‑ und Reihensechszylinder in aktualisierten Versionen erhalten bleiben sollen. Aus Sicht eines Münchner Autofanatikers ist das eine strategische Entscheidung mit weitreichenden technischen, wirtschaftlichen und emotionalen Implikationen.
Warum BMW an Verbrennern festhält
Die Entscheidung ist nicht nur sentimental: BMW argumentiert, dass die neuen Motorengenerationen von Grund auf so konstruiert werden, dass sie die kommenden Euro‑7‑Vorgaben erfüllen können. Laut Post seien Optimierungen im Abgassystem, vor allem durch verbesserte Katalysatoren und Nachbehandlungssysteme, ausreichend, um die Grenzwerte einzuhalten. Für BMW bedeute dies, dass die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren kein unverhältnismäßig hoher Investitionsaufwand sei.
Ein weiterer Faktor ist die Marktrealität: In vielen Regionen der Welt ist die Durchdringung von Elektrofahrzeugen noch nicht so weit fortgeschritten. BMW stellt sich daher auf eine heterogene Nachfrage ein und will Kunden Wahlfreiheit bieten — vom vollelektrischen Modell bis zum klassischen, hochgezüchteten Verbrenner.
Technische Maßnahmen für Euro 7 — was ist zu erwarten?
Euro 7 wird nicht nur strengere Emissionsgrenzen für CO₂‑Äquivalente bringen, sondern auch den Fokus auf Emissionen unter Realbedingungen legen. Für Motorenbauer heißt das:
BMW scheint diese Maßnahmen bereits in Planung zu haben: Die S58‑Einheit (3,0‑Liter Reihensechszylinder) für sportliche Modelle wird voraussichtlich mit mild‑hybridem Support ausgeliefert, um Verbrauch und Emissionen im Stadt‑ und Mischzyklus zu senken.
Die sportlichen Modelle: M3 elektrisch – M3 mit Verbrenner folgt
Interessant ist der Doppelweg bei der M‑Serie: BMW plant eine vollelektrische M3 bereits für das kommende Jahr, gleichzeitig soll eine Version mit Verbrennungsmotor — rund ein Jahr später — folgen. Diese soll wieder auf den S58 setzen, ergänzt durch Mild‑Hybrid‑Technologie. Für Enthusiasten bedeutet das: Wer die typisch thermische M‑Signatur will, soll weiterhin bedient werden; zugleich spricht BMW damit Käufer an, die die Performance einer elektrischen Power‑Unit bevorzugen.
Die M4 wird laut Post erst nach 2029 neu aufgelegt, womöglich erst 2030. Das gibt BMW Zeit, Plattformen und Antriebsoptionen reif zu gestalten — inklusive möglicher Varianten mit Vierzylinder, Reihensechszylinder oder elektrischen Antrieben.
V12‑Zukunft: Rolls‑Royce bleibt erste Adresse, Alpina als Kandidat
Der V12 bleibt aktuell primär Rolls‑Royce vorbehalten, doch BMW lässt die Option offen, den Zwölfzylinder auch in anderen Luxusmodellen zu platzieren. Insbesondere BMW Alpina wird als logischer Kandidat genannt: Alpina könnte mit einem hochfein abgestimmten V12 eine Alternative zur Mercedes‑Maybach S680 positionieren. Technisch würde ein V12 vor allem in Sachen Laufruhe, Drehmoment und Prestige weiterhin seine Relevanz behaupten.
Marktstrategie: Vielfalt statt Ideologie
BMW verfolgt offenkundig eine pragmatische Strategie: Keine ideologische Abkehr vom Verbrennungsmotor, sondern ein Portfolioansatz. Für die Kunden bedeutet das Wahlfreiheit — je nach regionaler Infrastruktur, Beliebtheit von E‑Mobilität und persönlicher Präferenz. Im Jahr 2025 lieferten BMW, MINI und Rolls‑Royce laut internen Zahlen zu rund 82 % Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aus, ein klares Indiz, dass BMW derzeit noch stark vom klassischen Antrieb abhängig ist.
Folgen für Werkstatt, Zulieferer und Aftermarket
Solange Verbrenner Bestand haben, bleiben auch Wartung, Ersatzteilnetz und spezialisierte Fachkräfte relevant. Das heißt:
Fahrspaß und Emotionen: Ein nicht zu unterschätzender Faktor
Für viele Enthusiasten sind Sound, Schubverhalten und die Anspruchshaltung an einen Motor emotional bedeutsam. BMWs Entschluss, sportliche Verbrenner nicht aufzugeben, zielt auch auf diese Gruppe: der Erhalt des „Character“ einer Marke, die seit jeher auf Fahrdynamik gesetzt hat. Gleichzeitig geht BMW den Weg der Elektrifizierung, um Performance neu zu definieren — etwa durch sofort verfügbares Drehmoment bei E‑Antrieben.
Insgesamt handelt es sich bei BMWs Kurs um ein ausgeklügeltes Hedging: technologische Investitionen in emissionsreduzierende Maßnahmen für Verbrenner, parallel zur Entwicklung moderner E‑Plattformen. Für uns in München bleibt spannend zu beobachten, wie BMW diese Balance in den kommenden Jahren operationalisiert — und wie sich das Fahrgefühl in der Praxis weiterentwickelt.
