Ferrari Luce enthüllt: Über 1.000 PS, 530 km Reichweite – Kann der erste Elektro‑Ferrari die Legende retten?
Ferrari hat den Namen seiner ersten vollelektrischen Sportwagen angekündigt: Luce. Als Autofan in München fällt mir sofort auf, dass hinter dieser Namenswahl mehr steckt als ein schmückendes Etikett – es ist ein klares Bekenntnis der Marke, Elektrifizierung nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit zur Neuinterpretation der Ferrari‑Philosophie zu begreifen. Ich habe die technischen Daten und Designentscheidungen studiert und fasse hier zusammen, was Luce für Fahrer, Technikfans und die Marke Ferrari bedeutet.
Die Dreiteilige Präsentation: Technik, Interieur, Design
Ferrari verfolgt eine inszenierte Präsentationsstrategie: Zuerst wurde die Technologie im Herbst 2025 im sogenannten e‑building in Maranello vorgestellt, dann folgte die Enthüllung des Interieurs in San Francisco; das Außendesign soll im Mai 2026 in Italien gezeigt werden. Diese Staffelung signalisiert, dass Ferrari die Diskussion über das Fahrzeug in Ebenen führen will: erst die harten Fakten, dann die Haptik und zuletzt die Inszenierung – ein kluger Schachzug, um Vorurteile gegenüber einem „elektrifizierten Ferrari“ zu entschärfen.
Interieur: Retro‑Gestik trifft moderne Haptik
Besonders bemerkenswert sind die Innenraummotive: Ferrari kombiniert bewusste „Old‑School“-Elemente mit hochmoderner Technik. Statt gigantischer Touchscreens setzt man auf eine durchdachte Mischung aus physischen Schaltern, Hebeln und digitaler Anzeige. Ein drei‑speichiger Lenkradaufbau im Stil der 50er und 60er Jahre ist eine mutige Reminiszenz, die aber mit modernen Features wie taktilem und akustischem Feedback sowie Moduleinsätzen aus recyceltem Aluminium versehen wird.
Der Startprozess selbst ist als kleine Show ausgelegt: eine Glas‑Schlüsselkarte mit E‑Ink Display löst eine Lichtinszenierung zwischen Tunnelkonsole und Instrumentencluster aus – mehr „ritualisierte Bedienung“ als pure Funktion, und das wirkt durchaus passend für eine Marke, die Emotion verkauft.
Antriebsarchitektur: Vier Motoren, 122 kWh Batterie, über 1.000 PS
Unter dem Blech präsentiert Ferrari eine sehr klare technische Ansage: Luce basiert auf einer neuen, starren Plattform mit einem 122‑kWh‑Batteriepaket, das in den Fahrzeugboden integriert ist. Die elektrische Architektur setzt auf vier permanentmagneterregte Synchronmaschinen – je zwei pro Achse. Das Ergebnis: eine Systemleistung von über 1.000 PS, ein 0–100 km/h‑Sprint in rund 2,5 Sekunden und eine Spitze jenseits 310 km/h.
Die Vielzahlanordnung eröffnet enorme Möglichkeiten beim Torque‑Vectoring: Kurveneintritt, Übergangsphasen und Regenerationsstrategien lassen sich extrem fein steuern. Ferrari ergänzt dies mit einem elastischen Hinterunterbau und aktiven Dämpfersystemen, die den Spagat zwischen GT‑Komfort und Supercar‑Dynamik sichern sollen.
Fahrdynamik vs. Batteriegewicht: Die große Herausforderung
Ein zentrales Thema bei vollelektrischen Supersportwagen bleibt das Gewicht. 122 kWh sind kein Leichtgewicht, und Ferrari muss das Massendilemma über Chassissteifigkeit, Batterie‑Layout und Federungscharakteristik lösen. Die angekündigten aktiven Systeme und der adaptive Unterbau sind vielversprechend – entscheidend wird die Abstimmung sein, die das typische Ferrari‑Handling ohne „elektrische Unnahbarkeit“ ermöglicht.
Technologieintegration: F1‑Knowhow auf der Straße
Ferrari betont, dass technologische Elemente direkt aus der Formel 1 stammen. Die Verwendung von F1‑ableitbaren Steuerungsalgorithmen für die Motoren und die Batterie‑Thermoverwaltung kann in der Praxis für Vorteile bei der Performance und der Zyklusstabilität sorgen – vorausgesetzt, die Systeme sind robust und für den Alltagsgebrauch kalibriert.
Was bedeutet Luce für potentielle Käufer?
Für Ferrari‑Kunden bedeutet Luce ein neues Segment: Eine GT‑artige Elektro‑Gran‑Tourismo, die Leistung und Luxus vereint, ohne die Marke preiszugeben. Kaufentscheidende Kriterien werden neben dem Prestige vor allem sein:
Designausblick und strategische Bedeutung
Das noch ausstehende Außendesign wird zeigen, wie Ferrari die Luft‑ und Temperatursysteme, Kühlöffnungen und aerodynamischen Elemente optisch in Einklang bringt. Entscheidend ist, dass Luce nicht nur technisch überzeugen muss, sondern auch emotional: ein Ferrari bleibt ein Statement, und die Marke wird darauf achten, dass Luce dieses Statement in der Elektroära beibehält.
Abschließend bleibt festzuhalten: Mit Luce wagt Ferrari einen großen Schritt, der technisch hoch ambitioniert ist. Es geht nicht nur um den Wechsel der Antriebsquelle, sondern um die Übertragung einer jahrzehntelangen DNA in ein neues technisches Paradigma. Als Münchner Autofahrer und Tester freue ich mich auf die ersten Fahreindrücke – besonders darauf, ob Ferrari es schafft, die Soul‑Komponente im Elektrozeitalter zu bewahren.
