Unglaublich: Diese einzigartige Ferrari stand 20 Jahre im Wohnzimmer – jetzt im Museum und mit einer Geschichte, die Sie staunen lässt
Manche Autos sind nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern Kunstobjekte — die Ferrari Conciso gehört eindeutig in diese Kategorie. Auf Basis einer 328 GTS entstand Anfang der 1990er ein radikales Designexperiment, das nun eine ungewöhnliche Lebensgeschichte hinter sich hat: fast zwei Jahrzehnte als „Wohnzimmer‑Skulptur“ eines belgischen Sammlers, später Teilnahme an Shows und schließlich Aufnahme in die Sammlung des Petersen Automotive Museum in Los Angeles. Ich habe mir die Technik, die Idee und die Kuriosität dieser Karosserie‑Ikone genauer angesehen.
Ausgangspunkt: die 328 GTS als Basis
Die Conciso begann ihr Leben als Ferrari 328 GTS (Baujahr 1989). Technisch blieb vieles beim Alten: der bekannte V8‑Saugmotor mit 3,2 Litern Hubraum und rund 270 PS sowie das manuelle Fünfganggetriebe blieben im Kern erhalten. Genau diese Kombination — bewährte Mechanik plus radikale Hülle — macht den Reiz des Projekts aus: ein streng reduziertes Äußeres verpflanzt auf das Herz einer klassischen Ferrari.
Designprinzip: radikale Reduktion
Der deutsche Designer Bernd Michalak verfolgte bei der Conciso eine „weniger ist mehr“-Philosophie. Ziel: alles entfernen, was nicht absolut notwendig ist. Daraus entstand eine Aluminiumkarosserie mit extrem klaren Linien, einer sehr geringen Windschutzscheibe (nur ein Deflektor) und einer stark auf das Wesentliche konzentrierten Innenraumgestaltung. Sogar die Türen verschwanden optisch — nicht als Gimmick, sondern als konsequente Konsequenz der Simplifikation.
Leichtbau und Performance
Dank massiver Verwendung von Aluminium und gezieltem Leichtbau wog die Conciso nur etwa 889 kg — fast 30 % weniger als die Ausgangsbasis. Diese Gewichtsreduzierung wirkt sich direkt auf die Fahrleistungen aus: das Sprintvermögen (0–100 km/h in rund 5 Sekunden) und die hohe Höchstgeschwindigkeit (nahe 278 km/h) sind beeindruckend, vor allem, da die Basis ein Saugmotor ist. Die Conciso bleibt straßenzugelassen, liefert aber Speedster‑ähnliche Performance bei minimalistischem Komfort.
Innenraum: nur das Nötigste
Im Innenraum setzte das Konzept auf Funktionalität. Die Instrumente sind auf das Wesentliche reduziert; spezielle Schalensitze und sogar Halterungen für Helme deuten auf eine sportlich reduzierte Nutzung hin. Der geringe Schutz gegen Wind (Deflektor statt großer Scheibe) macht das Fahrerlebnis roher und unmittelbarer — eher Speedster als klassischer Spider.
Vom Messestand ins Wohnzimmer
Die Conciso debütierte 1993 auf Automessen wie in Frankfurt und Genf und erregte sofort Aufmerksamkeit. Doch dann nahm die Geschichte eine ungewöhnliche Wendung: 1998 kaufte ein belgischer Sammler den Prototyp und stellte ihn nicht in eine Garage oder ein Hallenmuseum, sondern direkt in sein Wohnzimmer. Für fast 20 Jahre wurde das Auto Teil des Interieurs — ein Möbelstück mit Motor. Das mag für Puristen paradox klingen, es sicherte dem Fahrzeug aber einen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand.
Vom Wohnzimmer ins Museum: ökonomische Nebengeschichten
2014 erhielt die Conciso eine neue Zulassung und erschien wieder auf der Straße; später wurde sie bei einer Auktion von RM Sotheby’s in Monaco für rund 109.250 € versteigert — ein Preis, der verblüffend nahe an einer herkömmlichen 328 GTS liegt. Das zeigt: Exklusivität garantiert nicht automatisch astronomische Preise. Dennoch erhöhte mediale Präsenz, etwa Auftritte in Automobilformaten, die Bekanntheit deutlich, bis das Fahrzeug schließlich ins Petersen Automotive Museum wanderte.
Technische Herausforderungen und Erhaltungsfragen
Kultureller Wert jenseits des Preisschilds
Die Conciso ist ein Beispiel dafür, wie ein Auto über seine bloße Funktion hinaus zum Kunstgegenstand werden kann. Im Wohnzimmer eines Sammlers wurde sie zur Skulptur, im Museum zur Exponatenseele — und sie erzählt damit eine Geschichte über Design, Besitz und Wert. Das Objekt verdeutlicht, dass Autoenthusiasten und Designer manchmal über den reinen Nutzwert hinaus denken: Fahrzeuge können Gespräche anstoßen, provozieren und die Schnittstelle zwischen Technik und Kunst markieren.
Was bleibt für Technik‑ und Designfans?
Für alle, die Autos nicht nur als Gebrauchsgegenstände sehen, ist die Conciso ein faszinierendes Kapitel: ein radikales Design, ein ungewöhnliches Leben im Wohnzimmer und ein würdiger Platz im Museum. Für mich in München bleibt es ein schöner Gedanke, dass manche Autos mehr erzählen, als ihre PS‑Zahlen je ausdrücken könnten.
