Frejus-Tunnel löst alle Rekorde ab – Europas längster Doppelröhren-Tunnel misst unglaubliche 12,85 km!

Am 28. Juli 2025 wurde im italienischen Bardonecchia die offizielle Eröffnung der zweitenTunnelröhre des Fréjus-Tunnels gefeiert. Nach rund 14 Jahren intensiver Bauarbeiten präsentiert sich der Verkehrsweg zwischen Italien und Frankreich nun als erster Doppel-Tunnel Europas mit einer Länge von 12,848 Kilometern pro Röhre. Damit übertrifft der Fréjus-Tunnel erstmals den bisher längsten einröhrigen Straßentunnel des Kontinents, den 10,176 Kilometer langen Gran-Sasso-Tunnel.
Bauzeit, Verzögerungen und Investitionsvolumen
Das Projekt startete im Dezember 2010 auf der italienischen Seite und im Juli 2011 auf der französischen Seite. Ursprünglich war die Fertigstellung für Anfang 2024 geplant. Doch die weltweite Pandemie und massive Preissteigerungen bei Baumaterialien führten zu erheblichen Verzögerungen. Nach Abschluss der Durchschlagsarbeiten im November 2014 dauerte es bis Juni 2025, bis alle technischen Tests erfolgreich absolviert wurden.
- Bauzeit: Dezember 2010 bis Juni 2025 (rund 14,5 Jahre)
- Durchschlag zwischen beiden Röhren: 17. November 2014
- Offizielle Eröffnung der zweiten Röhre: 28. Juli 2025
- Investitionsvolumen: ca. 700 Millionen Euro, finanziert von SITAF/ASTM (IT) und SFTRF (FR)
Europa-Rekord: Längster Tunnel mit zwei getrennten Röhren
Mit einer Einzellänge von 12,848 Kilometern gilt der Fréjus-Tunnel nun offiziell als längster Tunnel Europas, gemessen an der Länge pro Röhre. In Zahlen ausgedrückt:
- Länge je Tunnelröhre: 12 848 m
- Durchmesser innen: 8 m
- Fahrstreifenbreite: 3,50 m
- Vergleich Gran Sasso: 10 176 m, einröhrig
Die Trennung in zwei eigenständige Röhren ermöglicht eine klare Verkehrsführung in jede Fahrtrichtung und eliminiert das Risiko frontal gegenüberliegender Fahrzeuge.
Moderne Sicherheits- und Betriebstechnik
Die zweite Röhre wurde nach den strengsten EU-Sicherheitsnormen errichtet. Zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen zählen:
- Notfallnischen: 34 Schutzräume (18 in Frankreich, 16 in Italien) ermöglichen Flucht und Rettung
- Bypass-Spuren: 9 ausgewiesene Querverbindungen (4 FR, 5 IT) für Rettungsfahrzeuge
- Belüftungszentralen: 2 große Lüftungsanlagen für aktive Frischluftzufuhr und Rauchabsaugung
- Zentraler Kontrollraum: Ein neuer, hochmoderner Posto di Controllo Centralizzato in Italien steuert Verkehrs- und Sicherheitsfunktionen in Echtzeit
Zusätzlich garantieren spezielle Stromversorgungs- und Kommunikationsleitungen die unterbrechungsfreie Funktion von Beleuchtung, Notrufsystemen und Videoüberwachung.
Architektur und Betreibergesellschaften
Für die Umsetzung waren zwei Konzessionsgesellschaften verantwortlich:
- SITAF/ASTM (Società Italiana per il Traforo Autostradale del Frejus), zuständig für den italienischen Teil
- SFTRF (Société Française du Tunnel Routier du Fréjus), zuständig für den französischen Abschnitt
Beide Unternehmen arbeiteten eng zusammen, um harmonisierte Bauprozesse, gemeinsame Sicherheitskonzepte und einen nahtlosen Betrieb zu gewährleisten. Die Koordination erfolgte über ein gemeinsames Lenkungskomitee, das regelmäßig Fortschritte, Budgets und Risikofaktoren abstimmte.
Historischer Hintergrund und Bedeutung
Die Wurzeln des Fréjus-Verkehrskanals reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war ein Eisenbahntunnel geplant und wurde 1871 eingeweiht. Erst in den 1970er-Jahren entstand die erste Straßentunnelröhre, die 1980 eröffnet wurde. Die zweite Röhre ist damit die logische Fortsetzung einer mehr als 150 Jahre währenden Verkehrsverbindung durch die Alpen.
Die moderne Doppelröhrenlösung festigt die Rolle des Fréjus als zentrale Verkehrsachse im europäischen TEN-T-Korridor „Mediterranean“. Sie verbindet Norditalien direkt mit Südfrankreich und verkürzt Fahrtzeiten sowie Lieferketten im Güterverkehr deutlich.
Wirtschaftlicher und verkehrlicher Nutzen
Mit täglich durchschnittlich rund 10 000 Fahrzeugen und einem erheblichen Anteil an Lkw-Transporten ist der Fréjus-Tunnel eine unverzichtbare Infrastruktur. Die neue Doppelröhre bietet folgende Vorteile:
- Reduktion von Staus und Wartezeiten durch getrennte Ein- und Ausfahrtrichtungen
- Steigerung der Verkehrssicherheit dank moderner Notfalltechnik
- Erhöhte Kapazität im Alarm- und Rettungseinsatz
- Wirtschaftliche Impulse für den grenzüberschreitenden Handel zwischen Italien und Frankreich
Lkw-Unternehmer können mit höheren Durchsätzen kalkulieren, während Pendler und Touristen von entspannteren Reisebedingungen profitieren.
Auswirkungen auf die Alpenquerung
Die Inbetriebnahme der zweiten Röhre markiert einen Meilenstein für die Alpenregion:
- Entlastung benachbarter Pässe und Tunnel wie Mont-Blanc und Brenner.
- Förderung nachhaltiger Verkehrskonzepte durch Re-Routing von Schwerlastverkehr in den Tunnel statt über Pässe.
- Stärkung des europäischen Binnenmarkts durch zuverlässige Transportwege.
Insgesamt bedeutet die neue Doppelröhre am Fréjus-Tunnel eine Revolution für den alpinen Straßentourismus und den Güterverkehr – ein Projekt, das Bayern und ganz Süddeutschland direkt in seiner wirtschaftlichen Wirkungszone spüren werden.