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Alpine A110 wird elektrisch: In‑Wheel‑Motoren, 70‑kWh‑Batterie und 480 km — Ist das die neue Traum‑Sportcoupé?

Alpine A110 EV: Die elektrische Ikone im Wandel — was wirklich hinter der Technik steckt

Die Nachricht aus Dieppe und den Entwicklungszentren von Alpine liest sich wie ein Paukenschlag: Die A110, in ihrer ursprünglichen Form ein Synonym für Leichtigkeit und Fahrspaß, erhält eine vollelektrische Neuauflage. Als Münchner, der gern über kurvige Landstraßen und alpine Pässe fährt, interessiert mich vor allem eins: Kann Alpine das magische Fahrgefühl bewahren, wenn die Batterie ins Spiel kommt? Die Antworten liegen in der neuen Alpine Performance Platform (APP), in der Entscheidung für 70‑kWh‑Speicher, und in kontroversen technischen Wahlmöglichkeiten wie In‑Wheel‑Motoren.

Die Plattform: Aluminium, Tiefer Schwerpunkt und Modularität

Im Zentrum steht die APP, eine speziell von Alpine entwickelte Plattform mit einem Aluminiumaufbau, die einen sehr niedrigen Schwerpunkt und eine sportliche Sitzposition ermöglichen soll. Das ist die Grundlage, um sich von gewöhnlichen E‑Modellen abzuheben: Gewicht sparen, Fahrdynamik bewahren, und dennoch Platz für Batteriepakete schaffen. Die Modularität ist ein weiteres Schlüsselelement — die APP ist so konzipiert, dass sie auch für Modelle wie die Renault 5 Turbo 3E genutzt werden kann. Das spricht für eine skalierbare Kostenstruktur und schnellere Amortisation der Entwicklungskosten.

In‑Wheel‑Motoren: Traum oder technische Bürde?

Eine der mutigsten Ideen in den Diskussionen ist der Einsatz von In‑Wheel‑Motoren (Radnabenmotoren) in einigen Versionen. Vorteile sind klar: extrem schnelle Drehmomentantwort, wegfallende Antriebselemente wie Halbachsen und Getriebe, sowie eine sehr direkte Kraftverteilung. Für die sportliche Nutzung klingen diese Kennzahlen hervorragend — besonders bei Launch Control und beim perfekten Traktionsmanagement.

  • Risiken: Das zusätzliche Gewicht in der ungefederten Masse belastet Fahrwerk und Reifen, was die Präzision und den Komfort beeinträchtigen kann.
  • Thermik: Die Kühlung der Motoren in der Radnabe ist komplex; andauernde Hochleistungsszenarien wie Trackdays stellen hohe Anforderungen.
  • Wartung: Ersatz und Reparatur sind potenziell teurer und komplizierter als bei konventionellen Achsantrieben.
  • Für Alpine bedeutet das: Entscheidung für In‑Wheel muss mit einem ebenso ambitionierten Fahrwerkskonzept einhergehen, sonst verwandelt sich erhoffte Agilität in Unausgewogenheit.

    Batterie, Reichweite und Praxis — 70 kWh als realistischer Kompromiss

    Mit einer Batteriegröße von rund 70 kWh peilt Alpine theoretisch mehr als 480 km Reichweite an. Das ist ein interessantes Versprechen für eine Sportcoupé‑Klientel, die nicht nur am Wochenende auf die Rennstrecke will, sondern auch längere Touren plant. In der Praxis wird die Reichweite natürlich stark vom Fahrstil, Temperatur und Topographie abhängen. Auf kurvigen Bergstrecken schrumpft die Reichweite schneller als auf der Autobahn — das sollte beim Design der Rekuperations‑Strategie und der Wärmemanagementsysteme berücksichtigt werden.

    Variantenvielfalt: Coupé, Cabrio und 2+2

    Alpine plant nicht nur ein reines Coupé: Es sind auch Cabrio‑Varianten und eine 2+2‑Version vorgesehen. Damit will die Marke ihre Zielgruppe erweitern — Familien, Kunden, die Alltagstauglichkeit schätzen, oder solche, die ein sportliches Auto mit gelegentlichem Komfortbedarf suchen. Die Herausforderung ist, das Chassis und die Struktur so auszulegen, dass Steifigkeit und Fahrgefühl nicht leiden, insbesondere bei einem Cabrio.

    Leistungsdaten und Positionierung im Markt

    Die APP erlaubt eine breite Skala an Leistungsvarianten — von reinem Fahrspaß‑Alltag bis hin zu Hochleistungsvarianten mit mehreren hundert PS. Das ist nötig, denn die Konkurrenz schläft nicht: Porsche, BMW und andere Premium‑Hersteller arbeiten ebenfalls an elektrischen Sportlern. Alpine muss sowohl im Handling als auch in der Software‑Gegensteuerung (Torque‑Vectoring, Bremssysteme, Fahrmodi) überzeugen, um als echte Alternative wahrgenommen zu werden.

    Fertigung, Lieferkette und Gewichtsfrage

    Die industrielle Umsetzung stellt Alpine vor praktische Probleme: Batterieproduktion, Zellverfügbarkeit und Kostenkontrolle sind zentrale Punkte. Entscheidend bleibt die Reduktion des Fahrzeuggewichts, um das charakteristische Fahrgefühl zu erhalten. Aluminium als Plattformmaterial hilft hier, aber das Zusammenspiel zwischen Batteriemasse, Karosserie und Chassis‑Tuning entscheidet letztlich über das Fahrverhalten.

    Was wir auf der Straße erwarten — und testen müssen

  • Federungsabstimmung, die mit der höheren Masse harmoniert, ohne die Agilität zu töten.
  • Präzise Lenkung und eine abgestimmte Reifenwahl, die mit dem höheren Drehmoment umgehen kann.
  • Ein effektives Wärmemanagement, das die Batterie bei sportlicher Nutzung schützt und konstante Leistung gewährleistet.
  • Rekuperationsstrategien, die sowohl im Alltag als auch auf der Rennstrecke funktionieren.
  • Fazit vor der ersten Ausfahrt

    Die Alpine A110 EV ist ein mutiges Projekt: Sie will das Gefühl der leichten Sportwagenära in die elektrische Zukunft retten. Technologisch hat Alpine interessante Pfeile im Köcher — APP, mögliche In‑Wheel‑Antriebe und eine 70‑kWh‑Batterie. Entscheidend wird die Abstimmung sein: nur wenn Fahrwerk, Gewichtsbalance und Software perfekt zusammenspielen, bleibt die A110 ihrem Mythos treu. Als Münchner Fahrsportfan warte ich gespannt auf die ersten Testwagen — denn die wahre Bewährungsprobe findet nicht im Datenblatt statt, sondern auf der Straße.

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