Die neue McLaren‑F1 für Puristen? S1 mit 690 PS V12, Handschalter und zukunftsweisendem Leichtbau – nur 64 Stück, willst du eine?

Die neue McLaren‑F1 für Puristen? S1 mit 690 PS V12, Handschalter und zukunftsweisendem Leichtbau – nur 64 Stück, willst du eine?

Die Gordon Murray S1, vorgestellt auf der Monterey Car Week 2026, ist mehr als nur eine Hommage an die goldene Ära der Supersportwagen: Sie will die Essenz der McLaren F1 in eine moderne, straßentaugliche Form übertragen — mit einem V12‑Sauger, manuellem Getriebe und kompromissloser Leichtbauphilosophie. Als Münchener Autoliebhaber und Beobachter der Szene habe ich mir die technischen Eckdaten, das Konzept und die praktischen Implikationen dieser auf 64 Exemplare limitierten Sonderserie genau angesehen.

Konzept und Positionierung

Die S1 beruht auf einer Monocoque‑Carbonstruktur, verwandtschaftlich zur S1 LM, jedoch mit einer anderen Zielsetzung: Weg von kompromissloser Rennperformance, hin zu einer „grand tourer‑fähigen“ Supercar‑Erfahrung. Gordon Murray definiert die S1 als eine entspanntere, alltagstauglichere Variante der radikalen S1 LM — sprich: Fahrspaß, aber auf langen Strecken ohne dauerhaften körperlichen Verschleiß. Die zentral positionierte Fahrersitzanordnung und das Dreisitzer‑Layout sind klare Reminiszenzen an die McLaren F1, zeigen aber auch, dass Murray seine Handschrift bewahrt.

Der Motor: ein echter V12‑Sauger

Im Herzen der S1 arbeitet ein maßgeschneiderter 4,2‑Liter‑V12 von Cosworth, der 690 PS bei 12.100 U/min entwickelt. Diese Kenndaten sind bemerkenswert: eine extrem hohe Drehzahl als Ausdruck purer Ingenieurskunst. Murray betont, dass der Motor rund 500 Nm liefert, wobei ein großer Teil des Drehmoments in tiefen und mittleren Drehzahlbereichen verfügbar sein soll — ein pragmatischer Ansatz, der auf Alltagstauglichkeit abzielt, statt nur Rundenzeiten zu optimieren.

Technisch gelesen finden sich Renn‑Komponenten: leichte Kolben mit Siliziumkarbid‑Beschichtung, Ti‑Pleuel und Ventile sowie Trockensumpfschmierung. Diese Maßnahmen reduzieren Massen und verbessern die thermische Stabilität — entscheidend für ein Hochdrehzahlaggregat, das auch längere Autobahnstrecken meistern soll.

Getriebe, Fahrwerk und Fahrcharakter

Ein großer Pluspunkt für Puristen: Die S1 wird mit einem manuellen 6‑Gang‑Getriebe ausgeliefert, dessen sechster Gang als lange Überfahrt ausgelegt ist — ideal für entspanntes Dahingleiten auf der Landstraße oder Autobahn. Gordon Murray hat bei der Getriebeübersetzung und beim Schaltweg besonderen Wert auf Präzision gelegt, mit direkter Zugverlegung für knackigere Schaltvorgänge.

Fahrwerksseitig behält die S1 die Spurweite der S1 LM, setzt aber auf eine angehobene Bodenfreiheit (+10 mm) und eine weichere Stoßdämpferabstimmung. Ziel ist eine Balance: mechanische Performance für Kurvenfreude, zugleich mehr Federungskomfort für längere Strecken. Die Aerodynamik wurde entschärft — statt großer, fester Flügel gibt es ein aktives Hecksystem, das vor allem bei hohen Geschwindigkeiten Stabilität und Bremsunterstützung liefern soll, ohne konstant enorme Abtriebskräfte zu erzeugen.

Design und Praxisnutzen

Optisch präsentiert sich die S1 mit klaren Linien und einem moderneren Gesicht gegenüber der S1 LM. Die Kunststoff‑ und Carbonpaneele sind neu gestaltet, die Lichtsignatur überarbeitet. Technische Details wie die Rückfahrkamera in den Außenspiegeln und die Türen mit absenkbaren Scheiben sind kleine, aber wichtige Komfortverbesserungen gegenüber extremen Renn‑Roadstern der Vergangenheit.

Im Innenraum setzt GMA auf hochwertige Materialien, bessere Schalldämmung und ein leichtes Audiosystem für Langstreckenkomfort. Damit zielt die S1 eindeutig auf Käufer, die eine extreme Fahrmaschine wollen, diese aber auch akzeptabel im Alltag nutzen können — etwa für Touren entlang der Küste, wie Murray es selbst beschreibt.

Produktion, Exklusivität und Markt

Die Limitierung auf 64 Einheiten macht die S1 zum Sammlerstück. Jedes Fahrzeug wird auf Bestellung gefertigt, was Kundenspezifika erlaubt, jedoch auch die Frage nach Preisgestaltung und langfristiger Werthaltigkeit aufwirft. Bei der Zielgruppe handelt es sich um Enthusiasten mit Interesse an purer Mechanik statt reinem Performance‑Benchmarking.

Technische Herausforderungen und Einsatzszenarien

  • Thermomanagement: Ein hochdrehender V12 verlangt perfekte Kühllösungen, vor allem bei zügigen Autobahnpassagen.
  • Wartung: Renntechnische Komponenten bedeuten höheren Wartungsaufwand und spezialisierte Betreuung.
  • Alltagstauglichkeit vs. Performance: Die Balance kann gelingen, setzt aber perfekte Abstimmung zwischen Fahrwerk, Motor und Getriebe voraus.
  • Emissionen und Regularien: Ein 4,2‑Liter‑V12 in einem Jahr, in dem Regulierungen strenger werden, stellt Herausforderungen an Homologation und Marktakzeptanz.
  • Für wen ist die S1 gedacht?

    Die Gordon Murray S1 richtet sich an Sammler und Fahrer, die das Erlebnis eines hochdrehenden V12 in Kombination mit einem manuellen Schaltgetriebe suchen — verpackt in ein Fahrgestell, das auch längere Strecken mit Komfort meistert. Sie ist keine kompromisslose Rennmaschine, sondern ein technischer Liebesbrief an klassische Supercars, modern interpretiert.

    Auf den Straßen rund um München würde die S1 sicher Aufsehen erregen: ein kraftvolles, vom Menschen geführtes Fahrzeug, das die Verbindung zwischen Ingenieurskunst und fahrerischem Genuss zelebriert. Ob die S1 den Nerv der Zeit trifft — in einer Ära der Elektrifizierung — bleibt spannend zu beobachten. Für Fans echter Verbrenner aber ist das ein Angebot mit Seltenheitswert.

    Elmer