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Er sagt es klar: Warum Mate Rimac glaubt, dass Supersportwagen der Zukunft weiterhin mit Benzinmotoren kommen – und das ist kein Rückschritt

Mate Rimac sorgt wieder für Gesprächsstoff: Der Chef von Bugatti Rimac sieht die Zukunft der reinen Supersportwagen nicht primär in der Elektrifizierung, sondern in emotionalen, kleinserieigen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Als Fan, der gern über die Alpen nach München oder in die Toskana fährt, finde ich diese Sichtweise faszinierend — und sie wirft wichtige Fragen für Hersteller, Sammler und Enthusiasten auf. Warum also hält Rimac an der Verbrennung fest, obwohl seine Nevera als Elektro-Hypercar bereits Rekorde setzt? Und welche Rolle spielen Emotion, Handwerk und Exklusivität in einer Welt, die zunehmend von Elektrizität dominiert wird?

Rimacs These: Marktaufspaltung statt totaler Elektrifizierung

Rimac beschreibt einen Markt, der sich aufspaltet: Die volumenstarken, alltagsorientierten Modelle würden in Richtung Elektromobilität tendieren, während die obersten Segmenten — Supersportwagen und High-End-Luxus — ihre Wurzeln im Verbrennungsmotor behalten. Er vergleicht diese Nische mit der Schweizer Uhrenindustrie: mechanische Uhren machen nur einen Bruchteil der Verkäufe aus, erzielen dafür aber den Löwenanteil der Margen. Für Bugatti Rimac sei es daher lohnend, diesen Markt als emotionalen Luxus zu bedienen — nicht als Performance-Wettbewerb auf der Zeitentafel.

Die Nevera und die paradoxe Realität

Das Paradox ist offenkundig: Rimac leitet mit der Nevera ein der schnellsten und stärksten Elektro-Hypercars der Welt und demonstriert eindrucksvoll, was Elektrotechnik in Sachen Beschleunigung leisten kann. Doch er betont zugleich, dass die „nächste Bugatti-Generation“ um Verbrennungsarchitekturen herum gebaut werde — konkret denkt er an die Tradition des V16 der Tourbillon. Diese Fahrzeuge werden nicht für den Massenmarkt produziert, sondern als extrem limitierte, stark personalisierte Kunstobjekte, bei denen Käufer Identität, Handwerk und Klang über reine Rundenzeiten stellen.

Warum Emotion vor Leistung stehen kann

  • Sensorische Erlebnisse: Klang, Vibrationen und lineare Leistungsentfaltung eines großvolumigen Saugmotors lassen sich bislang nur schwer oder gar nicht elektrifizieren.
  • Handwerk & Personalisierung: Maßarbeit, Materialien, und individuelle Details sind Verkaufsargumente, die Preise rechtfertigen, unabhängig von technologischen Benchmarks.
  • Sammlerwert: Limitierte Verbrenner haben ein kulturelles Narrativ und einen Sekundärmarkt, der Werthaltigkeit verspricht.
  • Rimac argumentiert, dass eine wohlhabende Kundschaft nicht Millionen zahlt, um Rekorde zu brechen, sondern um ein mechanisches Statement zu besitzen — ein Objekt, das Emotionen erzeugt und eine Geschichte erzählt.

    Technik: Hybridisierung als pragmatischer Kompromiss

    Interessant ist, dass die von Rimac erwähnte Tourbillon-Architektur als Hybrid ausgelegt ist: 8,3-Liter-V16 kombiniert mit elektrischen Komponenten ergibt einen Gesamtoutput, der in Zahlen kaum fassbar ist (bei der Tourbillon sprechen die Daten von rund 1.800 PS). Das zeigt, dass Verbrennung nicht zwingend puristisch bleiben muss; vielmehr verschmelzen Verbrenner und Elektrik, um sowohl das Gefühl eines aufgeladenen Hochdrehzahlmotors als auch die Performancevorteile elektrischer Unterstützung zu bieten.

    Marktreaktionen: Kein Alleingang

    Rimacs Sicht ist nicht isoliert. Ferrari hält am Verbrenner fest, Koenigsegg spricht ebenfalls über alternative Wege, und einige Hersteller betonen, dass die Verbrennung noch lange nicht tot ist — zumindest in bestimmten Segmenten. Andere Wettbewerber wählen eine vorsichtigere Strategie: Sie elektrifizieren schrittweise oder setzen parallel auf synthetische Kraftstoffe, um Emissionsfragen zu adressieren, ohne das Klangerlebnis vollständig aufzugeben.

    Wirtschaftliche Logik hinter der Nische

  • Margen statt Volumen: Kleinserien mit hoher Margenrendite entsprechen einem Luxusgeschäftsmodell.
  • Markendifferenzierung: Exklusive Verbrenner schaffen Legenden, die die gesamte Markenwahrnehmung stärken.
  • Risikostreuung: Parallelprogramme (EV + limitierter Verbrenner) erlauben Flexibilität gegenüber regulatorischen und technologischen Veränderungen.
  • Regulatorische und ökologische Stolpersteine

    Natürlich gibt es kritische Fragen: Wie langfristig tragfähig ist die Herstellung von Verbrennungsmotoren in einer Welt mit immer strengeren CO2-Zielen? Können synthetische Kraftstoffe oder Kompensationsmechanismen die ökologische Bilanz solcher Supercars ausreichend verbessern? Hersteller wie Bugatti Rimac müssen diese Balance finden — zwischen Kundenwünschen, Gesetzgebung und gesellschaftlicher Verantwortung.

    Für Enthusiasten: Was bedeutet das praktisch?

    Für Fahrer und Sammler bedeutet Rimacs Ansatz: Wer auf pure Emotion, Klang und Tradition setzt, wird weiterhin Zugang zu automobilen Meisterwerken haben — allerdings in stark limitierten Stückzahlen und zu Preisen, die diese Exklusivität widerspiegeln. Gleichzeitig öffnet die Elektrifizierungswelle die Performance-Tür für ein breiteres Publikum: beeindruckende Beschleunigungswerte werden zunehmend erschwinglicher — aber die „Seele“ des Verbrenners bleibt ein Luxusgut.

    Ausblick: Duale Zukunft statt Einbahnstraße

    Rimacs Prognose skizziert keine Rückkehr zum All-Verbrenner-Zeitalter, sondern eine duale Zukunft: breite Elektrifizierung auf der einen Seite, und hochspezialisierte, emotional aufgeladene Verbrenner-Kunstwerke auf der anderen. Für uns Enthusiasten heißt das: spannende Zeiten am Horizont. Während die meisten von uns ihre alltägliche Mobilität elektrisch gestalten, werden einige wenige weiterhin die „letzten Wahren“ der Verbrennerkultur als fahrende Skulpturen erleben — und das ist, so paradox es klingt, genau die Art von Vielfalt, die die Automobilwelt lebendig hält.

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