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Euro NCAP 2026 enthüllt: Die neuen Prüfregeln, die Autohersteller fürchten – was Ihr nächstes Fahrzeug wirklich können muss

Euro NCAP 2026: Die neuen Prüfregeln, die Ihre nächste Autowahl verändern werden

Euro NCAP hat seine Prüfprotokolle für 2026 grundlegend überarbeitet – die bedeutendste Änderung seit fast zwei Jahrzehnten. Als Fahrer in und um München spürt man, dass die Diskussion um Fahrzeug­sicherheit nicht mehr nur Crash‑Statistiken betrifft, sondern das gesamte System: Von Assistenzsystemen über Unfallevitierung bis hin zur Rettung nach einem Unfall. Die neue Methodik zielt darauf ab, nicht nur den Schaden bei einem Aufprall zu minimieren, sondern Unfälle gar nicht erst entstehen zu lassen und die Folgen im Nachgang besser beherrschbar zu machen.

Vier Säulen statt einer Zahl

Die Bewertung setzt künftig auf vier gleichberechtigte Säulen, die jeweils separat bewertet und mit Mindestanforderungen belegt sind:

  • Assistenzsysteme (ADAS) – Wie gut unterstützen Systeme den Fahrer kontinuierlich?
  • Crash Avoidance – Wie effektiv erkennt und vermeidet das Fahrzeug einen unmittelbaren Unfall?
  • Crash Protection – Wie gut schützt das Fahrzeug Insassen bei einem Zusammenstoß?
  • Post‑Crash – Wie sicher und zugänglich ist das Fahrzeug für Rettungskräfte nach dem Unfall?
  • Jede Säule wird auf einer Skala bis 100 bewertet. Ein hohes Gesamtergebnis erfordert künftig konstante Leistungen in allen Bereichen – ein starker Schutz bei Crashs allein genügt nicht mehr.

    Weg von rein destruktiven Tests – hin zu realitätsnahen Prüfungen

    Euro NCAP reagiert auf den Wunsch von Verbrauchern und Politik nach aussagekräftigeren Tests. Klassische Vollcrash‑Tests bleiben, werden aber ergänzt durch

  • Slidertests und kombinierte physische/simulierte Szenarien,
  • Real‑World‑Datenanalysen zur Wirksamkeit von Assistenzsystemen auf öffentlichen Straßen,
  • und mehr Variation bei Dummy‑Konfigurationen, um unterschiedliche Körpergrößen und Alter abzubilden.
  • Das Ziel: Tests, die die echte Verkehrssituation besser abbilden und nicht nur Laborbedingungen.

    Post‑Crash: Besondere Anforderungen für E‑Fahrzeuge

    Ein relevanter, neuer Schwerpunkt ist die Phase nach einem Unfall. Bei batterieelektrischen Fahrzeugen fordert Euro NCAP nun zwingend Maßnahmen wie zugängliche Außen­griffe und klare Isolation der Hochvoltkomponenten. Ziel ist, Rettungskräften die Arbeit zu erleichtern und Risiken wie Brände oder Stromschläge zu minimieren. Das ist besonders wichtig in ländlichen Regionen, wo Rettungszeiten länger sein können.

    Datenpflicht und Zusammenarbeit mit DFRS

    Ab 2026 gilt eine Verpflichtung zur Datenteilung mit DFRS (Data for Road Safety): Hersteller sollen anonymisierte, lokal­bezogene Informationen zu erkannten Gefahren und Systemreaktionen liefern. Das verbessert die Evaluierung von Assistenzsystemen im realen Betrieb, stößt aber auch auf Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Standardisierung und technischer Umsetzbarkeit. Für die Hersteller bedeutet dies zusätzliche IT‑ und Compliance‑Aufwendungen.

    Was bedeutet das für Käufer und Flottenbetreiber?

  • Kaufentscheidung: Die Sterne werden nicht mehr allein über Crashschutz definiert. Achten Sie künftig auf die Unterbewertungen in den vier Säulen – besonders auf „Crash Avoidance“ und „Post‑Crash“.
  • Flottenmanagement: Fuhrparkleiter sollten darauf pochen, dass neue Modelle neben aktiven Assistenzsystemen auch robuste Post‑Crash‑Features und gute Daten‑Reporting‑Schnittstellen bieten.
  • Versicherung: In Zukunft könnten Versicherer Subventionen für Fahrzeuge mit hohen Präventionswerten anbieten, weil sie Unfallkosten prognostisch senken.
  • Herausforderungen für die Industrie

    Die Hersteller stehen vor mehreren Aufgaben:

  • Integration realer Fahrdaten in die Produktvalidierung — das erfordert umfangreiche Datensammlungen und standardisierte Protokolle.
  • Entwicklung robuster Post‑Crash‑Lösungen, besonders für elektrische Antriebe, ohne das Kosten‑/Gewichtsniveau überproportional zu erhöhen.
  • Balance zwischen Innovation und Nutzbarkeit: Systeme müssen nicht nur technologisch effektiv, sondern auch intuitiv für Fahrer sein.
  • Praxis‑Tipps: So prüfen Sie künftig ein Fahrzeug

  • Lesen Sie nicht nur die Gesamtsterne, sondern schauen Sie sich die Einzelbewertungen an — vor allem „Crash Avoidance“ und „Post‑Crash“.
  • Fragen Sie beim Händler nach konkreten Leistungsdaten der Assistenzsysteme und nach Updates/Support für Over‑The‑Air‑Funktionen.
  • Für Flotten: Verlangen Sie Testszenarien oder Feldtests, die reale Einsatzbedingungen widerspiegeln.
  • Langfristige Perspektive: Sicherheit neu denken

    Euro NCAP verschiebt die Debatte von der reinen Überlebensfähigkeit bei Kollisionen hin zur Verhinderung von Kollisionen und zur Beherrschung der Folgen. Das ist ein mutiger Schritt – er stellt höhere Ansprüche an Technik, Datenmanagement und Interoperabilität. Für Verbraucher bedeutet es mehr Transparenz und bessere Orientierung beim Autokauf. Für Hersteller und Gesetzgeber sind es klare Signale: Investitionen in echte Prävention und Rettungsfreundlichkeit zahlen sich nicht nur in Punkten aus, sondern sie retten Leben.

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