Fahrerlose Taxis in London 2026: Wie Waymo die Stadt revolutionieren will – und warum uns das alle betrifft
Waymo kommt nach London: Fahrerlose Taxis sollen 2026 den Betrieb aufnehmen
Waymo, die Tochtergesellschaft von Alphabet für autonome Fahrzeuge, plant offenbar den großen Sprung nach Europa: In London soll 2026 ein Pilotprojekt mit fahrerlosen Taxis starten. Für München‑Autofahrer wie für urbane Mobilitätsplaner in ganz Europa ist das ein Signal: Die technischen Lösungen sind reifer, die Betreiber mutiger — doch die Herausforderungen bleiben enorm.
Die Dreiphasen‑Strategie im Überblick
Waymo verfolgt eine klar strukturierte Einführung in drei Phasen. Zunächst stehen Feldtests mit Sicherheitsfahrern an Bord an, um das System unter realen Bedingungen zu erproben. Ziel ist es, Daten zu sammeln, die zeigen, wie die autonome Technologie mit dichtem Stadtverkehr, komplexen Kreuzungen und wechselhaftem Wetter zurechtkommt. In der zweiten Phase, geplant für April 2026, folgt ein begrenzter Pilotbetrieb: eine Flotte speziell modifizierter Jaguar I‑PACE, betrieben in Kooperation mit Moove, einem Mobilitätspartner, der auch Beziehungen zu Uber pflegt. Wenn diese Phase erfolgreich verläuft, strebt Waymo eine kommerzielle 24‑Stunden‑Betriebsaufnahme bis September 2026 an.
Warum ausgerechnet London?
Londons Straßen gelten als besonders anspruchsvoll: enge Gassen, hohe Fußgängerfrequenz, komplexe Ampel‑ und Busnetze sowie variabler Verkehr. Aus Entwicklersicht ist das ein Vorteil: Scheitert ein System hier nicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es anderswo funktioniert. Aus städtischer Sicht ist London ein attraktives Labor für Innovationen — allerdings auch ein Ort mit starken Interessenverbänden, strikter Regulierung und sensiblen Arbeitsmärkten.
Technik und Fahrzeugwahl: Jaguar I‑PACE als Grundlage
Die Wahl der Jaguar I‑PACE als Basisfahrzeug ist strategisch: Das Modell ist vollelektrisch und bietet eine Plattform, die sich für Autonomiefunktionen umbauen lässt. Entscheidend sind aber nicht nur die Haftungs‑ und Sensorausstattung (LiDAR, Radar, Kameras), sondern auch die Betriebsinfrastruktur: Ladeplanung, Wartungszyklen, Klimatisierung der Batterien und permanente Software‑Updates. Solche Flotten erfordern ein dichtes Servicenetz und ein robustes IT‑Betriebsmodell.
Regulatorische Hürden und Sicherheitserwartungen
Das Vereinigte Königreich setzt auf „zuerst Daten, dann Regeln“: Die Regierung will Evidenz sammeln, bevor umfassende Gesetze greifen. Das geplante Automated Vehicles Act, erwartet Mitte 2027, soll dann Haftungsfragen, technische Mindestanforderungen und Notfallprotokolle regeln. Bis dahin gelten restriktive Übergangsbedingungen: Tests müssen nachvollziehbar, sicher und transparent sein. Gewerkschaften und Taxiverbände warnen vor Jobverlusten; Sicherheitsexperten mahnen Vorsicht bei der schrittweisen Abschaltung menschlicher Überwachung an.
Erfahrungen aus anderen Städten — Lehren für London
Waymo und andere Anbieter operieren bereits in Städten wie San Francisco oder Miami. Dort traten Probleme bei der Handhabung seltener, aber kritischer Randfälle auf: plötzliche Straßensperrungen, ungewöhnliche Verkehrsführungen, schlechtes Wetter oder unvorhersehbares Verhalten von Verkehrsteilnehmern. Diese „Edge Cases“ sind genau die Situationen, bei denen autonome Systeme an ihre Grenzen kommen. Londons dichte Infrastruktur wird solche Fälle noch häufiger provozieren, weshalb ein umfassendes Monitoring und schnelle menschliche Eingriffsmöglichkeiten unerlässlich bleiben.
Wirtschaftliche und stadtplanerische Folgen
Operative Herausforderungen — was Betreiber lösen müssen
Einige der praktischen Fragestellungen sind:
Aus Sicht eines Technikfans aus München
Für mich bedeutet der London‑Pilotenstart: Wir sind einem echten Wendepunkt näher. Die Technologie hat erhebliche Fortschritte gemacht; aber von der Idee bis zur routinemäßigen Anwendung liegen noch viele praktische, rechtliche und gesellschaftliche Schritte. In Deutschland und speziell in Bayern müssen wir die Diskussion jetzt aktiv führen: Flächendeckende Ladeinfrastruktur, klare Haftungsregeln und Weiterbildungsangebote für Beschäftigte sind Voraussetzungen dafür, dass autonome Mobilität mehr Chancen als Risiken bietet.
Fragen, die wir in den nächsten Monaten beobachten sollten
Die Einführung fahrerloser Taxis in London ist ein praxisnaher Test für die nächste Mobilitätsära. Für Autobauer, Flottenbetreiber und Politik gilt: Technische Reife ist nur ein Teil der Gleichung — regulatorische Klarheit, gesellschaftliche Akzeptanz und operative Robustheit sind mindestens ebenso wichtig.
