Hyundai Staria Camper Concept enthüllt: Solar‑Dach, 800‑V‑Ladung und Lounge‑Innenraum – ist das der E‑Camper, auf den wir gewartet haben?

Hyundai Staria Camper Concept enthüllt: Solar‑Dach, 800‑V‑Ladung und Lounge‑Innenraum – ist das der E‑Camper, auf den wir gewartet haben?

Auf dem CMT in Stuttgart stellte Hyundai ein Konzept vor, das in meinen Augen zu den spannendsten Neuigkeiten des Jahres im Segment Camping‑Vans gehört: das Staria Camper Concept. Nicht nur ein hübsches Showcar, sondern ein durchdachtes Fahrzeug, das die Frage stellt, wie ein elektrischer Camper von Grund auf gedacht werden muss, wenn er wirklich autark und alltagstauglich sein soll. Ich habe mir die technischen Eckdaten und die praktischen Lösungen angesehen und bewerte, was das Konzept für Käufer und Reisende in Deutschland bedeuten könnte.

Grundlage: die Staria‑Bauform und die 800‑Volt‑Plattform

Die Basis des Camper Concept ist die elektrische Hyundai Staria, wie sie kürzlich in Europa präsentiert wurde. Entscheidend ist die 800‑Volt‑Elektrik – eine Architektur, die bereits bei anderen Modellen der Marke für sehr kurze Ladezeiten sorgt. Hyundai gibt eine Ladezeit von rund 10–80 % in etwa 20 Minuten an, was für Reisende einen echten Unterschied macht: weniger Zwangspausen, bessere Planbarkeit auf langen Strecken. Der Elektromotor leistet 160 kW (218 PS) und treibt die Vorderachse an; die WLTP‑Reichweite liegt bei rund 400 Kilometern, ein praxisnaher Wert für kombinierte Reisetage mit Ladestopps.

Solardach und Energieautarkie: kein Gimmick, sondern Konzeptkern

Das auffälligste Merkmal ist das nahtlos integrierte Aufstelldach mit fest eingebautem Solarpanel (520 W Spitzenleistung). Hyundai spricht von bis zu 2,6 kWh Energieproduktion pro Tag bei idealer Einstrahlung. Praktisch betrachtet bedeutet das: Kühlschrank, Beleuchtung, Lüftung und kleine Verbraucher lassen sich über Tage hinweg betreiben – gerade für Wildcamping in Regionen ohne Stromanschluss ein enormes Plus. Wichtig: Das Solardach ist nicht als bloßes Accessoire gedacht, sondern als Teil des Fahrzeugdesigns, um Aerodynamik und Optik nicht zu beeinträchtigen.

Innenraum: Lounge statt Provisorium

Innen geht Hyundai neue Wege: Statt klassischer Sitzbänke setzt das Konzept auf zwei elektrisch drehbare Einzelsitze vorn, die zusammen mit dem aufgestellten Dach eine echte Lounge‑Atmosphäre schaffen. Die Rückbank lässt sich per Knopfdruck in ein Bett für zwei Personen verwandeln. Diese Lösungen zielen auf Komfort und Alltagstauglichkeit – kein improvisiertes Matratzenlager, sondern ein durchdachtes Wohn‑Layout, das auch bei schlechtem Wetter gemütlich bleibt.

Smart Glass und Bedienung: moderne Details mit Potenzial

Im Heck kommt Smart Glass zum Einsatz: elektrisch dimmbare Verglasung, die sowohl Sichtschutz als auch Sonnenschutz bringt. Die Steuerung erfolgt über Touch‑Bedienelemente – prototypisch, aber durchaus realistisch für eine spätere Produktion. Solche Details zeigen, dass Hyundai das Konzept nicht als Spielerei sieht, sondern als mögliche Produktionsoption mit echtem Mehrwert.

Fahrwerk, Komfort und Alltagstauglichkeit

Für den Reisekomfort hat Hyundai die Federung modifiziert und zusätzliche Schalldämmung verbaut. Gerade in Deutschland und Österreich, wo lange Autobahnetappen auf schmalen Landstraßen folgen, sind eine ausgewogene Federung und gutes NVH‑Management (Noise, Vibration, Harshness) entscheidend für akzeptablen Langstreckenkomfort. Ein Camper, der wie ein guter Van fährt, erhöht die tägliche Nutzbarkeit deutlich.

Energie‑Management: was zu bedenken ist

Das Solardach ist nützlich, ersetzt aber keine vernünftige Bordbatterie. Für mehrtägige Off‑Grid‑Aufenthalte ist eine kombinierte Lösung sinnvoll:

  • Solargenerator (520 W Dach) für kontinuierliche Nachladung der Bordbatterie ;
  • zusätzliche Bordbatterie mit ausreichend Kapazität für Nachtverbrauch ;
  • Intelligentes Energiemanagement, das Verbraucher priorisiert (Kühlschrank vor Steckdosen).
  • Hyundai kommuniziert hier realistische Zahlen: 2,6 kWh/Tag sind hilfreich, aber abhängig von Wetter und Jahreszeit. In unseren Breiten sollten Käufer mit moderatem Sonnenangebot rechnen und gegebenenfalls einen ergänzenden mobilen Solarkoffer oder eine größere Bordbatterie wählen.

    Praxis: Einsatzszenarien in Deutschland

    Das Staria Camper Concept adressiert mehrere Nutzergruppen:

  • Wochenendcamper, die spontan und unabhängig übernachten möchten ;
  • Pärchen und kleine Familien, die Komfort und ein schnelles Ladeangebot benötigen ;
  • Reisende, die auf Nachhaltigkeit Wert legen und Elektrofahrzeuge bevorzugen.
  • Besonders in Regionen mit gutem Schnellladenetz (z. B. Autobahnkorridore in Deutschland) ist das Konzept ein attraktiver Kompromiss: elektrisches Fahren im Alltag, schnelle Lademöglichkeiten unterwegs und reichlich Campingkomfort am Ziel.

    Offene Fragen und Herausforderungen

    Einige Punkte bleiben vor einer Serienentscheidung kritisch:

  • Robustheit der mechanischen Komponenten (Aufstellmechanik des Dachs, drehbare Sitze) bei Langzeitgebrauch ;
  • Kosten: Wie schlägt sich ein solches Konzept preislich gegen klassische Diesel‑ oder Benzin‑Camper ? ;
  • Gewicht und Zuladung: Elektrokomponenten und Solartechnik erhöhen das Gewicht – wie wirkt sich das auf Zuladung und Reichweite aus ?
  • Wartung und Reparatur: Kompetenz und Ersatzteilversorgung in Händlernetz und Camper‑Werkstätten.
  • Was das Projekt aus Sicht eines Journalisten in München bedeutet

    Als jemand, der viel in Bayern und den Alpen unterwegs ist, begrüße ich Konzepte, die Elektromobilität und Freizeitnutzung konsequent verbinden. Hyundai geht mit dem Staria Camper den richtigen Weg: nicht nur ein Styling‑Übungsfeld, sondern ein praktisches Konzept mit realistischen technischen Vorgaben. Für deutsche Käufer wird es auf den Preis, die Ausstattungsoptionen und die praktische Alltagserprobung ankommen. Wenn Hyundai die Zuverlässigkeit liefert, könnte ein solches Fahrzeug die Akzeptanz elektrischer Camper deutlich beschleunigen.

    Elmer