Lancia Gamma enthüllt: Bis zu 730 km Reichweite und HF‑Integrale – Kann der neue SUV‑Coupé die Konkurrenz vernichten?

Lancia Gamma enthüllt: Bis zu 730 km Reichweite und HF‑Integrale – Kann der neue SUV‑Coupé die Konkurrenz vernichten?

Lancia bringt mit der neuen Gamma ein Modell zurück, das viele Erwartungen der Marke bündeln soll: ein 4,7 Meter langer SUV‑Coupé, gebaut auf der STLA‑Medium‑Plattform von Stellantis, geplant für die zweite Jahreshälfte 2026 und verfügbar in mehreren Antriebsvarianten – von Mild‑Hybrid bis hin zu rein elektrischen Versionen mit sehr großer Reichweite. Als Münchner Tester sehe ich in diesem Fahrzeug nicht nur ein Stück Markengeschichte, sondern auch einen strategischen Schritt im eng umkämpften Segment der Premium‑SUV‑Coupés. Nachfolgend eine technische und marktstrategische Einordnung der wichtigsten Punkte.

Plattform und Multienergie‑Konzept

Der technologische Kern der Gamma ist die STLA Medium Plattform. Sie ist modular ausgelegt und erlaubt unterschiedliche Energiequellen: batterieelektrisch (BEV) und mild‑hybrid. Diese Flexibilität ist für Stellantis wirtschaftlich klug: gleiche Architektur, verschiedene Antriebe. Für Käufer bedeutet das eine größere Auswahl – für das Werk in Melfi eine Herausforderung hinsichtlich Fertigungsvarianten und Qualitätssteuerung.

  • BEV‑Optionen: zwei Batteriegrößen angekündigt – 74 kWh und 97 kWh.
  • WLTP‑Reichweite für die große Batterie: bis zu 730 km (ein markanter Wert, der die Gamma an die Spitze der Klasse heben würde).
  • Mild‑Hybrid: 1,2‑Liter‑Turbo mit rund 145 PS als Einstiegslösung für Effizienz im Alltag.
  • Reichweite vs. Realität

    730 km WLTP klingen beeindruckend; in der Praxis sind WLTP‑Werte jedoch meist optimistischer als reale Verbrauchswerte unter Alltagsbedingungen. Faktoren wie langsame Autobahnetappen, Beladung, Klimaeinsatz und Fahrstil reduzieren die effektive Reichweite. Für Käufer in Deutschland und Österreich ist wichtig zu wissen, wie sich diese Werte im realen Test verhalten – besonders auf den Strecken mit vielen Höhenmetern rund um München.

    Design und Innenraum

    Die sichtbaren Prototypen deuten auf eine klare, moderne Linienführung hin, die deutlich von der Studie Pu+Ra HPE inspiriert ist: elegante Silhouette eines Coupé‑SUV, saubere Flanken, integrierte Türgriffe und eine markante Lichtsignatur. Innen betont Lancia Nachhaltigkeit und Qualität:

  • Drei Displays: 16‑Zoll‑Zentralscreen, 12,5‑Zoll‑Instrumente und ein zusätzliches Panel für Klima/Beleuchtung.
  • Materialien: starker Einsatz recycelter Werkstoffe und ökologisch orientierte Fertigungsansätze.
  • Die Balance zwischen digitaler Haptik und Premium‑Anmutung wird entscheidend sein. Gerade im Premiumsegment erwarten Kunden nicht nur cleveres Infotainment, sondern auch hochwertige Oberflächen, gute Ergonomie und akustische Dämmung – Dinge, die den Langstreckenkomfort ausmachen.

    Die sportliche Perspektive: HF Integrale

    Besonders interessant für Enthusiasten ist die angekündigte HF Integrale‑Variante: ein Allradmodell mit sportlicher Ausrichtung. Die Rückkehr der historischen HF‑Bezeichnung transportiert Rally‑DNA und Emotion. Technisch dürfte diese Version ein anspruchsvolles Fahrwerk, ein leistungsfähiges Allradsystem und spezifische Bremssysteme erhalten.

  • HF Integrale: wahrscheinlich Performance‑Fahrwerk, verfeinertes Torque‑Management und sportlich abgestimmte Lenkung.
  • Zielgruppe: Fahrer, die ein emotionaleres, fahrdynamischeres Erlebnis suchen, ohne auf den Nutzwert eines SUVs verzichten zu müssen.
  • Produktion in Melfi: Chancen und Risiken

    Die Produktion in Melfi ist ein strategischer Schachzug von Stellantis, um die Wertschöpfung in Europa zu halten. Vorteile sind kürzere Lieferketten für den europäischen Markt und lokale Beschäftigungseffekte. Risiken entstehen durch die Komplexität der Produktion multiplizierter Varianten und die Notwendigkeit strenger Qualitätsprozesse – gerade bei Batterie‑BEVs.

    Wettbewerb im Segment

    Die Lancia Gamma tritt in ein hart umkämpftes Feld: BMW X4, Mercedes‑GLC Coupé und Alfa Romeo Stelvio sind etablierte Benchmarks. Um wirklich zu punkten, braucht die Gamma mehr als nur ein attraktives Design—sie muss in praxisrelevanten Kriterien überzeugen: realistische Reichweiten, Ladegeschwindigkeit, Preis‑Leistungs‑Verhältnis und ein überzeugendes Fahrgefühl.

    Technische Eckdaten, die zu prüfen sind

    Für unsere Test‑Checkliste vor dem ersten längeren Roadtest sollten folgende Punkte im Fokus stehen:

  • Reale Reichweite und Ladegeschwindigkeit bei verschiedenen Ladestationen (AC und DC).
  • Gewichtsverteilung und Fahrzeugdynamik – insbesondere bei der HF‑Variante.
  • Fahrwerksabstimmung: Komfort vs. Sportlichkeit, Federungsansprache auf schlechten Straßen.
  • Thermomanagement der Batterie, besonders bei schnellen Ladevorgängen und in heißen Sommern.
  • Preispositionierung und Ausstattungsstrategie

    Ein offenes Thema bleibt der Preis. Lancia muss den Spagat schaffen, Premium‑Charakter zu vermitteln und zugleich preislich wettbewerbsfähig gegenüber den etablierten Wettbewerbern zu bleiben. Die Ausstattungspakete werden den Ausschlag geben: Fahrerassistenz, Komfortoptionen, Soundsysteme und digitale Services sind kaufentscheidend.

    Fazit für Interessenten und Käufer

    Die Lancia Gamma hat das Potenzial, ein starkes Comeback zu werden – vorausgesetzt, die reale Reichweite bestätigt die WLTP‑Angabe, das Fahrverhalten stimmt und die Qualität in der Produktion hoch ist. Für Käufer in Bayern und angrenzenden Regionen gilt: Abwarten auf erste unabhängige Tests und reale Langstreckenerfahrungen. Wenn Lancia all diese Aspekte meistert, könnte die Gamma nicht nur ein Designstatement werden, sondern ein ernsthafter Wettbewerber im Premium‑SUV‑Coupé‑Segment.

    Elmer