Maserati macht Ernst: Mit dem Project Track Assist bringt der italienische Rennsporthersteller erstmals eine elektronische Hilfestellung speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke. Präsentiert wurde das System jüngst auf der GT2 Stradale beim Motorsports Club of Clubs in Tampa — ein klares Signal: Maserati will nicht nur potente Straßenwagen bauen, sondern auch die Lernkurve seiner Fahrer auf der Rennstrecke beschleunigen. Als Münchner Autoenthusiast und regelmäßiger Besucher von Trackdays sehe ich darin ein spannendes Werkzeug, das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie Amateure und Kunden das Thema Performance-Training angehen.
Was ist Project Track Assist?
Im Kern steht das Active Performance Control (APC), ein System, das Bremse und Gas aktiv beeinflussen kann, um den Fahrer in kritischen Phasen zu unterstützen. Anders als herkömmliche Assistenzsysteme für den Straßenverkehr ist das APC für hohe Belastungen auf dem Rundkurs ausgelegt: Es berechnet anhand von Sensordaten die idealen Bremszonen, optimiert die Verzögerung und hilft, die Geschwindigkeit an der Ideallinie zu halten. Wichtig: Maserati betont, dass das System den Fahrer nicht ersetzt – es begleitet ihn beim Lernen und soll jede Runde in eine präzise Trainingssequenz verwandeln.
Technische Basis und Entwicklungspartner
Die Software hinter dem Track Assist stammt von AS.CAR.I, einer italienischen Startup-Gruppe, die 2023 aus Forschungsnetzwerken wie mOve und PoliMOVE des Politecnico di Milano hervorgegangen ist. Diese Kooperation bündelt akademische Forschung zur autonomen Fahrzeugführung mit praktischer Rennsport-Erfahrung. Die Herausforderung bestand darin, Algorithmen zu entwickeln, die in Echtzeit mit dem integrierten Bremssystem der GT2 Stradale kommunizieren — ein Ansatz, der deutlich über bloße Telemetrie-Auswertung hinausgeht und aktive Eingriffe in das Fahrzeugverhalten erlaubt.
Warum das auf der GT2 Stradale debütiert
Die Maserati GT2 Stradale ist eine extrem geeignete Plattform für solche Technologien: Sie ist die straßenzugelassene Version der GT2-Rennwagen, angetrieben vom 3,0‑Liter V6 Nettuno mit 640 PS – dem stärksten Verbrennungsmotor, den Maserati je in einem Straßenfahrzeug verbaut hat. Mit einer Beschleunigung von 0–100 km/h in 2,7 Sekunden und einer Spitze über 320 km/h verlangt sie dem Fahrer höchste Präzision ab. Genau hier setzt das APC an: Es hilft, diese Präzision zu stabilisieren und die Fehlerquote bei Bremspunkten und Kurveneingang zu reduzieren.
Praxisnutzen für Fahrer und Instruktoren
Wie wirkt sich das auf die Fahrerentwicklung aus?
Aus meiner Sicht bietet Project Track Assist einen wichtigen didaktischen Vorteil: Es verkürzt die Zeit, in der Wiederholungsfehler eingebrannt werden. Viele Amateure wiederholen ungewollt die gleichen Fehler, weil sie den richtigen Bremspunkt oder die ideale Gaspedal-Kurve nicht sauber erkennen können. Ein elektronischer Coach, der diese Momente markiert oder sogar aktiv korrigiert, hilft, die Muskel- und Blickführung schneller auf den korrekten Ablauf zu programmieren.
Risiken und Kritikpunkte
Integration in das Maserati-Programm
Ab 2027 wird der Track Assist Teil des Master Maserati Driving Experience-Programms. Das ist clever: Maserati koppelt die Technologie an ein betreutes Lernumfeld mit professionellen Instruktoren. Somit bleibt die pädagogische Komponente erhalten — Instruktoren können das System als Analyse- und Coaching-Werkzeug nutzen, nicht als Ersatz. Damit adressiert Maserati gezielt Kunden, die sowohl Performance als auch Sicherheit schätzen.
Blick nach vorn: mögliche Weiterentwicklungen
Für die Trackday‑Szene in Deutschland könnte Project Track Assist ein Game‑Changer sein — vorausgesetzt, die Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung bleibt gewahrt. Als Fahrer möchte man die Kontrolle nicht verlieren, aber wer schneller und sicherer werden will, wird das elektronische Coaching als kraftvolles Hilfsmittel schätzen. In München und Umgebung, wo viele Enthusiasten regelmäßig auf die Strecke gehen, dürfte das Interesse an solchen Assistenzlösungen groß sein — nicht zuletzt, weil die Kombination aus High‑Performance‑Maschine und intelligenter Software eine neue Qualität des Lernens auf der Rennstrecke verspricht.
