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Mini‑Camper für 33.000 €: So verwandeln Sie den Dacia Bigster in ein echtes Overland‑Abenteuer (Budget‑Umbau erklärt)

Wie aus einem günstigen SUV ein echtes Overland‑Setup wird: Dacia Bigster als Mini‑Camper

Die Idee klingt verlockend: Ein tauglicher Offroad‑Camper für um die 33.000 Euro – basierend auf einem SUV, der neu knapp 26.000 Euro kostet. Auf dem Prüfstand steht der neue Dacia Bigster, ein pragmatischer, geräumiger SUV, der sich mit wenigen, aber durchdachten Nachrüstungen in ein ernstzunehmendes Reise‑ und Offroad‑Fahrzeug verwandeln lässt. In meinem Blick aus München geht es nicht um Show, sondern um technische Machbarkeit, Zuladungsrechnung und Alltagstauglichkeit.

Warum der Bigster eine gute Basis bietet

Der Bigster ist kein Luxus‑SUV, sondern ein rational konstruiertes Alltagsfahrzeug: 4,60 Meter Länge, bis zu 1.800 Liter Ladevolumen und eine Dachlast von rund 80 kg. Wichtig für ein Overland‑Setup sind weniger die Motorisierungen als vielmehr Nutzraum und Zuladung: Die Leermasse liegt je nach Ausstattung knapp unter 1.500 kg, die zulässige Gesamtmasse bei rund 2.300 kg – also etwa 750 kg Zuladung in der Bilanz. Das ist für ein kompaktes Overland‑Projekt eine ordentliche Ausgangslage.

Das Herzstück: das ARB Drawer System RD1045

Die technisch sauberste Grundlage für einen festen Innenausbau bildet das ARB Drawer System RD1045. Zwei heavy‑duty Schubladen auf Kugellagern, jeweils mit bis zu 150 kg Tragfähigkeit, Tiefe 1.045 mm, Höhe circa 285 mm. Das Modul wiegt etwa 85 kg und wird permanent am Fahrzeugboden verschraubt – kein Provisorium, sondern eine zertifizierbare Lösung mit deklarierter Belastbarkeit. Vorteil gegenüber einer einfachen Campingbox: sichere Verzurr‑ und Befestigungspunkte, einfache Zugriffssicherheit und ein ordentlicher Stauraum für Material und Ausrüstung.

Kleine, aber echte Küche: ARB Wagon Slide Kitchen

Auf die Schubladen lässt sich die ARB Wagon Slide Kitchen montieren: 1.045 × 500 × 310 mm, komplett ausziehbar, mit eingebautem Dreiflammen‑Kocher (~6 kW) und einem 7‑Liter‑Edelstahlspülbecken. Gewicht der Einheit rund 45 kg. Technisch gesehen handelt es sich hier um eine funktionale, kompakte Kochstation, die sich schnell bedienen lässt – ideal für Familienausflüge oder Offroad‑Touren, bei denen eine robuste Kochmöglichkeit gefragt ist.

Dachzelt: Schlafplatz ohne Kompromisse

Als Schlaflösung kommt eine harte Dachbox‑Tenta in Frage, wie die ARB Esperance 2 mit etwa 57 kg Gewicht. Liegefläche circa 2.000 × 1.400 mm, inkl. Matratze, LED‑Beleuchtung und USB‑Anschlüssen. Der Vorteil: ein wasserdichter, erhöht liegender Schlafplatz, schnell aufgebaut und komfortabler als Zelt am Boden – bei geringem Gewicht, das noch in der zulässigen Dachlast bleibt.

Zuladungsrechnung: Reicht die Kapazität?

Rechnen wir zusammen: Schubladen‑System (≈85 kg) + Küche (≈45 kg) + Dachzelt (≈57 kg) = ca. 187 kg. Zwei Erwachsene (je 75 kg) + ein Kind (30 kg) = 180 kg. Damit sind bereits rund 367 kg „extra“ an Bord, ohne Wasser, Gepäck, Küchenutensilien, Gasflaschen oder Campingausrüstung. Rechnerisch bleibt also noch Spielraum – aber in der Praxis heißt das: sorgfältig planen, Gewichtsschwerpunkte beachten und nicht zu viele zusätzliche Lasten aufladen.

  • Praktischer Effekt: Kofferraumvolumen reduziert sich von den nominellen 667 Litern auf geschätzt 250 Liter oberhalb der Schubladen – Stauraummanagement wird Pflicht.
  • Kostenfaktor und Realitätscheck

    Für die genannten ARB‑Komponenten sollten rund 6.400–7.000 Euro veranschlagt werden, plus Dachträger, Montagekosten und mögliche Eintragungen/Homologationen. Mit einem Bigster ab ca. 26.000 Euro liegt das Gesamtbudget bei etwa 33.000–35.000 Euro – deutlich unter dem Preis eines fertigen 4×4‑Campers oder eines ausgebauten Vans. Für jene, die pragmatisch unterwegs sein wollen, ist das ein überzeugendes Kosten‑Nutzen‑Verhältnis.

    Sicherheits‑ und Zulassungssicht

    Wichtig: Jede feste Umrüstung muss fachgerecht montiert werden. Schraubbefestigungen, Lastverteilung, Rückhaltesysteme – alles muss den nationalen Vorschriften entsprechen. Bei uns in Deutschland heißt das im Zweifel Eintragung in die Fahrzeugpapiere (TÜV) und Beachtung der zulässigen Achslasten und Stützlasten. Auch die Dachlast sollte nicht statisch überschritten werden, vor allem bei dynamischer Belastung im Gelände.

    Alltagstauglichkeit und Einsatzprofil

    Für Wochenendtouren, kürzere Overland‑Strecken und Familienausflüge ist dieses Setup ideal: flexibel, relativ leicht und finanziell überschaubar. Wer jedoch mehr Komfort, längere Autarkie oder gar vollwertige Sanitärlösungen sucht, stößt schnell an Grenzen. Ein Bigster mit ARB‑Ausbau ist kein Ersatz für einen großen Expeditionsvan – wohl aber ein cleverer Kompromiss für Einsteiger in die Welt der Overland‑Reisen.

    Montage‑Tipps und Praxishinweise

  • Montage durch Fachwerkstatt empfehlen: fachgerechte Verschraubung, Ankerpunkte und Korrosionsschutz sind wichtig.
  • Gewichtsverteilung beachten: schwere Lasten möglichst tief und nahe der Achse verstauen.
  • Für lange Reisen: Zusatzwassertanks, Solarpanel‑Optionen und Sicherheitseinrichtungen (z. B. Feuerlöscher, Erste‑Hilfe‑Set) einplanen.
  • Vor der Abfahrt: Beladungscheck und Probefahrt mit voller Zuladung zur Kontrolle des Fahrverhaltens.
  • Fazit als Zwischenstand: Der Dacia Bigster bietet eine realistische Basis für ein erschwingliches, robustes Overland‑Projekt. Wer pragmatisch plant, technisch sauber montieren lässt und sein Einsatzprofil realistisch wählt, bekommt mit rund 33.000–35.000 Euro wirklich etwas Ordentliches – kein Luxus, aber ein tauglicher Begleiter für viele Abenteuer. Auf den bayerischen Landstraßen würde ich genau so losfahren.

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