Spyker meldet sich mit einem Paukenschlag zurück: die C8 Preliator XXV, präsentiert auf der Monterey Car Week 2026, ist mehr als nur eine Überarbeitung des Vorgängermodells – sie will ein Statement sein. Als Fan von handgefertigten Karosserien und exzentrischen Designphilosophien habe ich mir die technischen Daten und die Gestaltungsmerkmale dieser limitierten Supercar‑Auflage genau angesehen. In München diskutiert man am Stammtisch bereits über Fahrwerk, Triebwerk und die Frage: Kann eine Boutique‑Marke wie Spyker tatsächlich wieder dauerhaft Fuß fassen?
Design: Luftfahrt trifft auf theatralische Eleganz
Spyker hat sein Erbe in der Luftfahrt nie verleugnet und die XXV betont diese Herkunft mit fast schon demonstrativer Deutlichkeit. NACA‑Lufteinlässe finden sich an mehreren Stellen der Karosserie, die Felgendesigns zitieren Propellernaben, und das Heck mit seinen Rückleuchten erinnert an Nachbrenner. Eine zentrale Finne auf dem Dach unterstreicht die Brücke zwischen Aeronautik und Motorsport. Die gezeigte Lackierung „Quail Green“ enthält feine Partikel in Roségold, dazu sind glänzende Oberflächen auf Wunsch roségoldfarben veredelt – ein ästhetischer Griff, der polarisieren wird.
Interieur: Handwerkliche Extravaganz
Im Cockpit setzt Spyker die Thematik fort: sichtbare Schaltgestänge, viele handveredelte Oberflächen und wiederreichlich Roségold‑Akzente sorgen für einen fast steampunk‑artigen Effekt. Der bewusste Verzicht auf übertriebene Elektronik und die Betonung mechanischer Elemente sprechen eine klare Sprache: Fahrer sollen die Maschine erleben, nicht durch Menüs navigieren.
Antrieb: V8‑Biturbo mit bösem Drehmoment
Unter der Haube sitzt ein 4,0‑Liter V8‑Biturbo aus Audi‑Regal, fein abgestimmt auf extreme Performance. Spyker spricht von 580 kW (789 PS) und kolossalen 1.002 Nm Drehmoment. Damit erreicht die XXV eine Höchstgeschwindigkeit von 349 km/h und soll den Sprint 0–100 km/h in unter drei Sekunden schaffen. Solche Zahlen positionieren das Auto eindeutig in der Elite der Supercars. Bemerkenswert bleibt, dass die Übersetzung und Abstimmung bei solchem Drehmoment eine Herausforderung für Kupplung, Getriebe und Reifen darstellt.
Getriebe und Fahrgefühl: manuelles Schaltgetriebe bleibt
Ein weiterer mutiger Zug: Spyker hält am manuellen Getriebe fest. Während viele Hersteller auf Doppelkupplungs‑ oder Automatiklösungen setzen, will die XXV puren Fahrspaß bieten. Das manuelle Getriebe ist ein Statement für Enthusiasten, verlangt aber auch erhebliche Fertigungskunst, um bei 1.000 Nm zuverlässig und kontrolliert zu arbeiten. Für Sammler und Puristen ist das ein dicker Pluspunkt, doch für reale Einsatzszenarien – viel Stop‑and‑Go, Stadtverkehr – bleibt die Frage nach Alltagstauglichkeit.
Chassis und Produktion: Handarbeit mit historischem Anspruch
Spyker spricht von einem komplett neuen Modell, tatsächlich sieht man jedoch deutliche Verwandtschaft zur früheren C8‑Plattform. Die Karosserie wird weiterhin von Hand gefertigt, was die Exklusivität erhöht, aber auch den Preis erklärt: Gerüchte sprechen von rund 1,6 Millionen US‑Dollar und nur 25 gebauten Exemplaren. Handgefertigte Bodengruppen erlauben eine ästhetische Freiheit, binden aber auch Ressourcen – was den Fortbestand der Marke von den ersten Verkäufen abhängig macht.
Technische Herausforderungen und Kritische Punkte
Strategische Bedeutung: Anfang einer neuen Ära?
Spyker bezeichnet die XXV als Beginn einer neuen Phase: Pläne für ein „D8 Peking‑to‑Paris Super SUV“ und die Rückkehr in den GT3‑Motorsport werden bereits kommuniziert. Ob die Verkäufe der XXV diese Pläne finanzieren können, ist offen. Für Enthusiasten ist die Wiederkehr einer so exzentrischen Marke spannend – sie bringt Vielfalt in ein Marktsegment, das zunehmend von großen Konzernen dominiert wird.
Für Sammler und Fahrer: wer ist die Zielgruppe?
Aus meiner Sicht in München bleibt die C8 Preliator XXV ein faszinierendes Stück Automobil‑Theater: technisch anspruchsvoll, visuell provokant und kompromisslos in ihrer Identität. Ob Spyker mit dieser Strategie nachhaltig wieder Fuß fassen kann, hängt weniger von Powerfiguren und Goldapplikationen ab als von der Fähigkeit, Folgemodelle und Motorsportengagement wirtschaftlich zu gestalten. Für Liebhaber handgemachter Supercars ist die XXV jedoch ein willkommener Gast auf jeder Landstraße — vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld und den Mut, ein mechanisches Biest mit einer Vorliebe für Gold zu pilotieren.
