Aus einem Wrack zum Sieger: Dieses recycelte Maxi‑100‑Yacht pulverisiert die Konkurrenz — Nachhaltigkeit, die 30 Knoten fährt!
Aus einem Schiffswrack wurde ein Sieger: Das Maxi 100 „Arca SGR“ ist die wohl ungewöhnlichste Erfolgsgeschichte der aktuellen Mittelmeer‑Regattaszene. Ursprünglich als verwaistes Rumpfteil in einem Werftlager auf Menorca abgelegt, hat das Projektteam um Skipper Furio Benussi aus diesem „Relikt“ ein Hochleistungs‑Rennschiff gebaut, das 2026 bei der prestigeträchtigen Loro Piana Giraglia als Erste die Ziellinie in Genua überquerte. Für uns als Technik‑ und Performance‑Fans ist das Projekt ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft, Ingenieurskunst und Rennsport auf höchstem Niveau zusammenpassen können.
Ausgangslage: ein Rumpf mit Potenzial
Ende 2018 entdeckte Benussi in einer spanischen Werft einen Rumpf, den andere bereits als Schrott betrachteten. Anstatt zu verschrotten, startete das Team das Programm „BoReAS“ (Boat Recycle in Action for Sailing Project). Ziel war es nicht nur, ein kostengünstiges Rennboot zu bauen, sondern zu beweisen, dass aus Recycling echte Rennperformance entstehen kann – und zwar ohne Kompromisse bei Zuverlässigkeit und Sicherheit.
Kernmaßnahmen: Struktur, Hydrodynamik, Antriebstrimm
Die Rekonstruktion des Maxi 100 umfasste weit mehr als kosmetische Arbeiten. Technisch wurden zentrale Komponenten modernisiert:
Canting Keel als Schlüsseltechnologie
Die schwenkbare Kielanlage ist das Herzstück des Performance‑Upgrades: Durch seitliches Neigen eines etwa 14‑Tonnen‑Kiels erhöht sich der aufrichtende Moment erheblich, das Boot kann mehr Segelfläche, mehr Geschwindigkeit und bessere Stabilität nutzen. Wichtig für Regattaeinsatz war die Beschleunigung der Verstellzeiten: Das überarbeitete Hydrauliksystem reduziert jetzt die Umstellzeit, was in taktischen Manövern entscheidende Zehntelsekunden bringt.
Leistungsdaten und Geschwindigkeitspotenzial
Mit einer Länge von etwa 34 Metern, einer Breite von circa 5 Metern und einem Tiefgang um 6,20 Meter präsentiert sich das Schiff als schlanker Maxi mit kompromissloser Auslegung auf Geschwindigkeit. In langen, achterlichen Passagen schafft die „Arca SGR“ problemlos mehr als 25 Knoten und nähert sich bei idealen Bedingungen sogar 30 Knoten – Werte, die sie im Feld der neueren baugleichen Maxis konkurrenzfähig machen.
Rennresultate 2026: Triumphe in schwierigen Bedingungen
Nachdem das Team bereits Erfolge bei den Regate di Primavera in Portofino und bei der 151 Miglia verbuchte, krönte die „Arca SGR“ ihre Saison mit der Line Honour bei der Loro Piana Giraglia 2026. Besonders bemerkenswert: Die Giraglia stellte das Boot vor meteorologische Herausforderungen – schwankende, leichte Winde, in denen Taktik, Material und die Fähigkeit, jede Witterungsänderung zu lesen, den Unterschied machten.
Nachhaltigkeit und Zertifizierung
Das Projekt unterscheidet sich nicht nur durch seine Performance, sondern auch durch die Nachhaltigkeitsbilanz: Die „Arca SGR“ ist das erste Yachtprojekt dieser Größenordnung, das eine EPD‑Zertifizierung (Environmental Product Declaration) erhalten hat. Die EPD dokumentiert den ökologischen Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus und belegt, dass Wiederverwendung und gezielte Modernisierung eine geringere Umweltbelastung verursachen können als ein Komplettneubau.
Ausbildung und Nachwuchsförderung
Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die Einbindung junger Talente: Das „Fast and Furio Young“-Programm sowie Kooperationen mit der Nautischen Fachschule in Triest geben Studenten die Möglichkeit, praktisch an einem Hochseeregattaprojekt mitzuarbeiten. Das ist nicht nur Bildungsarbeit – es sichert auch Know‑how für die maritime Zukunft und fördert technische Kompetenzen, die sonst nur schwer zu vermitteln wären.
Lektion für Automobil‑ und Motorsport‑Interessierte
Für Leser mit Fokus auf Auto‑ und Renntechnik bietet das Projekt übertragbare Erkenntnisse:
Fazit technischer Bedeutung
Die „Arca SGR“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Ingenieurskunst, kreative Projektführung und Nachhaltigkeitsdenken zusammenkommen können, um in einem stark kompetitiven Umfeld Erfolg zu erzielen. Für Ingenieure und Tüftler bedeutet das: Innovatives Denken nutzt vorhandenes Material effizienter als immer nur neu zu bauen. Für uns bleibt spannend zu beobachten, wie solche Modelle den Transfer von Technologien zwischen Meer und Straße weiter befördern werden.
