Diese 9 VW‑Käfer, die kaum jemand kennt, werden Sie sprachlos machen – Prototypen, Luxus‑Cabriolets und ein Pick‑up, die Wolfsburg verbergen

Diese 9 VW‑Käfer, die kaum jemand kennt, werden Sie sprachlos machen – Prototypen, Luxus‑Cabriolets und ein Pick‑up, die Wolfsburg verbergen

Neun seltene Käfer aus Wolfsburg: Die überraschende Vielfalt des Volkswagen Typ 1

Der VW Käfer gilt als Volksschiff par excellence – millionenfach gebaut, robust und praktisch. Doch hinter dieser vermeintlich einfachen Technik verbirgt sich ein ganzes Universum an Varianten, Prototypen und Karosseriearbeiten, die kaum jemand kennt. Im Depot der Autostadt Wolfsburg schlummern Schätze, die nur selten der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wir stellen neun außergewöhnliche Käfer‑Exemplare vor, die beweisen, wie wandelbar und einfallsreich die Basis des Typ 1 war.

Porsche Tipo 32 (1934) – der frühe Ahnherr

Bevor Volkswagen offiziell existierte, experimentierte NSU mit Ideen, die später in den Käfer einflossen. Der Porsche Tipo 32 von 1934 – nur drei gebaute Prototypen – zeigt bereits zentrale Merkmale: luftgekühlter Boxer hinten, Torsionsstab‑Aufhängung und stromlinienförmige Karosserie. Tests erreichten 115 km/h, und viele technische Erkenntnisse flossen in das Konzept einer späteren „deutschen Volkswagen‑Bauweise“ ein.

Maggiolino CCG (1945) – Dienstwagen der Nachkriegszeit

Unmittelbar nach dem Krieg lieferte die Produktion erste Käfer für die Control Commission for Germany (CCG). Ein besonders rares Exemplar, gebaut am 30. Dezember 1945, wurde später in die USA gebracht, restauriert und 1992 als historisches Stück nach Deutschland zurückgeführt. Solche frühen Fahrzeuge dokumentieren den Beginn der Serienproduktion und die Rolle der Mobilität im Wiederaufbau.

Tipo 14 Cabriolet Hebmüller (1949) – eleganter Exklusiv‑Cabrio

Hebmüller schuf Ende der 1940er ein 2+2‑Cabriolet auf Käfer‑Basis mit einer eleganten, geneigten Hecklinie. Die Auflage war extrem klein (696 Stück) – ein Brand in den Werken stoppte die Produktion vorzeitig. Heute gelten diese Cabriolets als hoch begehrte Sammlerobjekte mit starker Wertentwicklung.

Maggiolino Pick‑up Beutler (1950) – Schweizer Pragmatismus

In der Nachkriegszeit entstand aus Praktikabilitätsgründen die Idee, Käfer‑Rohkarossen zu Pick‑ups umzubauen. Die schweizerischen Karosseriebauer Beutler fertigten nur etwa zehn Exemplare; ihre elegante Integration der Ladefläche macht diese Umsetzung zu einer extrem seltenen Variante.

Cabriolet Rometsch‑Beeskow (1952) – Berliner Handwerksluxus

Rometsch verwandelte den Käfer in ein leichtes Aluminium‑Coupé oder Cabriolet, oft mit leistungsstärkeren Motoren (manche mit Porsche‑Triebwerken). Prominente Kunden und die geringe Stückzahl (ca. 280) machen Rometsch‑Modelle zu begehrten Exponaten, die heute museale Aufmerksamkeit genießen.

Tipo 1 Stoll (1952) – Unikat nach Kundenauftrag

Die kleine Manufaktur Stoll baute auf Kundenwunsch ein elegantes Coupé, das die Proportionen des Käfers behielt, aber ein deutlich sportlicheres Profil erhielt. Solche Einzelanfertigungen zeigen, wie flexibel die Typ‑1‑Plattform auf Maßarbeit reagierte.

Renn‑Maggiolino 1302 (1970) – vom Familienauto zum Renner

Der 1302 mit modifiziertem Fronttriebwerk und aufgebohrtem Boxer bis 2,057 cm³ demonstriert, wie Motorsport‑Tuner das Potenzial des leichten Chassis ausschöpften: 139 PS und rund 170 km/h Spitze – beeindruckend für ein Fahrzeug dieser Herkunft.

Maggiolino Tipo 1 GSR (1973) – provokante Werksserie

Die limitierte GSR‑Serie in knalligem Gelb mit mattschwarzen Akzenten löste sogar parlamentarische Diskussionen aus. Technisch basiert sie auf dem 1303 S, optisch aber markant aufgeladen und heute eines der beliebtesten Sammlerstücke der jüngeren Käfergeneration.

Gurgel X‑12 TR (1979) – VW‑Technik in brasilianischer Verkleidung

Zum Schluss ein exotisches Kapitel: Der Gurgel X‑12 nutzt die bewährte Basis des brasilianischen Käfers, kombiniert mit einer leichten „Plasteel“‑Karosserie und einem robusten Trägerrahmen. Leicht, korrosionsbeständig und geländegängig, zeigt dieses Fahrzeug, wie die Typ‑1‑Plattform global adaptiert wurde.

Was diese Exemplare uns lehren

  • Die technische Basis des Käfers war bemerkenswert anpassungsfähig: vom Pick‑up bis zum Rennwagen, viele Varianten waren möglich.
  • Kleine Carrosseriebetriebe formten mit Kreativität und Handwerk eine Vielzahl an Sonderformen, oft in geringer Stückzahl, was heute den Sammlerwert erheblich steigert.
  • Historische Provenienz (z. B. Harrah‑Sammlung, Autostadt‑Depot) erhöht das Interesse und den kulturellen Wert solcher Fahrzeuge.
  • Die Geschichten hinter den Fahrzeugen reflektieren technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen der jeweiligen Zeit.
  • Tipps für Sammler und Interessenten

  • Bei seltenen Käfern immer auf Originalität und Dokumentation achten: Seriennummern, Restaurationsbelege und Historie sind entscheidend.
  • Restaurierungskosten realistisch kalkulieren – spezielle Karosserieteile und historische Lackierungen sind teuer.
  • Besondere Varianten können museumstauglich sein und bieten mehr als rein finanziellen Wert: Sie erzählen Technik‑ und Sozialgeschichte.
  • Netzwerke pflegen: Kontakte zu Museen, Auktionatoren und spezialisierten Werkstätten sind Gold wert.
  • Die Auswahl aus dem Depot der Autostadt zeigt: Der VW Käfer ist weit mehr als eine simple Massenware. In seinen Varianten spiegelt sich Innovationsfreude, regionale Handwerkstradition und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Für uns in München und alle Liebhaber klassischer Automobile bleiben diese Exemplare ein faszinierendes Kapitel der Mobilitätsgeschichte.

    Elmer