Dieser 5‑Meter‑SUV verspricht 1.000 km Reichweite und 0–100 in 5 s — darf Europa den iCAUR V27 nicht verpassen?
Der chinesische Konzern Chery treibt seine Europa‑Offensive weiter voran: Nach Omoda und Jaecoo bringt die Marke iCAUR nun den großen V27‑SUV auf den Kontinent. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Geländewagen wirkt, ist in Wahrheit eine moderne Hybridlösung mit einem ungewöhnlichen Energiesystem. Ich habe mir die bisher verfügbaren Daten genau angesehen und erläutere, was der iCAUR V27 für Käufer bedeutet — von der Technik über das Innenraumkonzept bis zur möglichen Alltagstauglichkeit auf unseren Straßen.
Äußeres und Innenraum: „Future Classic“ im XXL‑Format
Der V27 verfolgt das Markenmotto „Future Classic“ und kommt mit klaren, kantigen Linien, runden Scheinwerfern und großen Flächen, die ihm eine robuste, aber elegante Präsenz verleihen. Mit über fünf Metern Länge und einem Radstand von 2,9 Metern richtet sich das Modell klar an Familien und Reisende, die viel Platz und Modulität benötigen. Auffällig ist das sogenannte „Stellar Cockpit“: ein offenes, helles Interieur mit großem Panoramadach und großzügigen Rücksitzen, die auf langen Strecken Komfort bieten sollen.
Antriebsarchitektur: Golden REEV‑System und kleine Batterie — wie funktioniert das?
Technisch ist der V27 mindestens so interessant wie optisch. Chery setzt auf ein Golden REEV‑Konzept (Range Extender Electric Vehicle): eine vergleichsweise kleine Batterie mit 34,3 kWh, kombiniert mit einem Verbrenner, der ausschließlich als Generator fungiert und die Batterie bei Bedarf nachlädt. Vorteil dieses Ansatzes: rund 156 km rein elektrische Reichweite für den Alltag kombiniert mit einer Gesamt‑Reichweite von über 1.000 km, wenn der Generator hinzugezogen wird.
Die Power liefern offenbar zwei Elektromotoren, die zusammen eine sehr sportliche Performance ermöglichen — der Sprint von 0 auf 100 km/h wird mit ungefähr fünf Sekunden angegeben. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist das beeindruckend und deutet auf erhebliche Systemleistung und ein gut abgestimmtes Fahrwerk hin.
i‑AWD: Allrad mit Motorsport‑Know‑how?
Chery bewirbt den V27 mit einem intelligenten Allradsystem namens i‑AWD, entwickelt von einem Team mit Motorsport‑Erfahrung. Das verheißt eine fein abgestimmte Torque‑Verteilung und elektronische Regelung, die sowohl auf der Straße als auch auf unbefestigtem Terrain für Stabilität sorgen soll. Ob sich dieser Anspruch in realen Offroad‑Situationen bestätigt, bleibt abzuwarten — die Kombination aus Elektroantrieb und elektronischer Traktion bietet aber grundsätzlich großes Potenzial für kontrollierte Traktion auch auf lossigem Untergrund.
Praxis: Für wen ist der V27 geeignet?
Gerade Pendler und Wochenend‑Abenteurer könnten vom REEV‑Konzept profitieren: tägliche Kurzstrecken rein elektrisch, lange Reisen ohne Ladeplanung dank Range Extender. Wichtig ist aber die Frage nach Verbrauch und Effizienz des Verbrennungsgenerators unter realen Bedingungen — hier können Unterschiede zur Werksangabe auftreten.
Stärken und offene Fragen
Ein weiterer Aspekt ist die elektrische Ladeleistung und das Batteriemanagement: Die 34,3‑kWh‑Batterie ist relativ kompakt für ein Fahrzeug dieser Größe. Daher wird viel von der Intelligenz des Gesamtsystems abhängen — wie schnell der Generator effizient nachlädt, wie die Rekuperation arbeitet und wie langlebig die Batterie ist.
Preis, Marktposition und Vertriebsfragen
Chery positioniert iCAUR als Premiummarke mit klassisch interpretiertem Design. Für Europa wird entscheidend sein, wie das Angebot preislich aufgestellt wird und wie stark das Händler‑ und Servicenetz ausgebaut wird. Ein attraktiver Preis allein reicht nicht: Garantie, Ersatzteilversorgung, Wartungsnetz und Software‑Updates sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg eines Importeurs auf dem europäischen Markt.
Worauf Verbraucher achten sollten
Der iCAUR V27 ist ein mutiger Schritt: ein großer SUV, der moderne Hybridkonzepte nutzt, um Alltagstauglichkeit und Langstreckenkomfort zu vereinen. Ob er jedoch in Europa ein Erfolg wird, hängt von vielen Faktoren ab — vom Handling und der Effizienz des Golden REEV‑Systems bis zur Vertrauensbildung der Kundschaft in eine vergleichsweise junge Marke. Aus Münchner Sicht: spannend zu beobachten, und sicherlich ein Kandidat, den wir bald auf unseren Straßen und Bergstraßen testen wollen.
