KI in Gutachten bedroht Ihre Sicherheit? Schock‑Warnung: Reparaturen könnten künftig unsicherer werden

KI in Gutachten bedroht Ihre Sicherheit? Schock‑Warnung: Reparaturen könnten künftig unsicherer werden

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Schadenbearbeitung bei Kfz‑Versicherungen nimmt rapide zu. Was zunächst wie ein Effizienzsprung klingt — schnellere Regulierung, niedrigere Kosten, vereinheitlichte Prozesse — wirft inzwischen ernsthafte Fragen zur Qualität von Gutachten und zur Sicherheit reparierter Fahrzeuge auf. Italienische Sachverständigeverbände haben alarmiert und ein Dossier bei den Aufsichtsbehörden eingereicht: KI‑gestützte Systeme könnten Schäden unterschätzen und Reparaturen damit unsicherer machen. Als Journalist, der täglich Werkstätten, Gutachter und Versicherer beobachtet, schaue ich mir an, wo die Risiken liegen und welche Lösungen praktikabel sind.

Wie KI in der Schadenabwicklung eingesetzt wird

Versicherer und große Schadendienstleister nutzen zunehmend digitale Tools und Algorithmen, um Schadensfälle zu bewerten. Die Arbeitsschritte sind oft: Foto- oder Videoaufnahme des Fahrzeugs, automatische Schadensanalyse durch Algorithmen, Ermittlung von Ersatzteil‑ und Arbeitszeitkosten anhand vordefinierter Parameter. Solche Systeme sind sehr effizient in einfachen, oberflächlichen Karosserieschäden — bei klaren Kollisionen ohne komplexe Strukturschäden oder Elektronikfolgen.

Die Grenzen automatischer Bewertungen

Probleme entstehen, wenn die Methode auf Fahrzeuge mit hoher technischer Komplexität trifft. Moderne Autos sind vollgepackt mit ADAS‑Sensorik (Radar, Lidar, Kameras), komplexer Bordelektronik und hochfesten Strukturelementen. Ein Algorithmus, der lediglich sichtbare Dellen und Kratzer bewertet, kann dabei die innenliegenden Verformungen, Mikrobrüche in tragenden Bereichen oder die Fehlstellung von Sensoren übersehen — Schäden, die für die Verkehrssicherheit entscheidend sind.

Warum Gutachter alarmiert sind

Unabhängige Sachverständige kritisieren zwei zentrale Punkte:

  • Transparenz: Die Algorithmen arbeiten oft als Blackbox — die Bewertungskriterien sind nicht offenlegbar, so dass weder Gutachter noch Werkstätten nachvollziehen können, wie ein Preis oder eine Reparaturzeit zustande kommt.
  • Fehlende physische Kontrolle: Automatisierte Prozesse ersetzen häufig die Begutachtung vor Ort. Ohne Prüfung von Verformungsrissen, Niet- und Schweißnähten oder der elektronischen Kalibrierbarkeit bleiben Risiken unentdeckt.
  • Die Folge: Reparaturen könnten auf Basis unvollständiger Bewertungen durchgeführt werden — mit möglichen sicherheitsrelevanten Folgen.

    Konkrete Gefahren für die Verkehrssicherheit

    Ein Fahrzeug, dessen ADAS‑Sensoren nach einer Reparatur nicht korrekt kalibriert sind, kann bei Notbremsassistent, Spurführung oder adaptive Cruise Control falsche Signale liefern. Ebenso gefährlich sind unsachgemäß behobene Strukturverformungen, die bei einem Folgeunfall das Crashverhalten verändern. In Summe bedeutet das: Eine „auf dem Papier“ reparierte, aber technisch nicht vollständig instandgesetzte Karosserie kann zu einem höheren Gefährdungsgrad im Straßenverkehr führen.

    Ökonomischer Druck versus technische Sorgfalt

    Versicherer stehen unter Kostendruck: kürzere Bearbeitungszeiten und niedrige Schadenkosten verbessern die Bilanz. Digitale Prozesse sind hierfür ideal — solange die Schäden „einfach“ sind. Doch die Komplexität moderner Fahrzeuge verlangt oft eine qualifizierte, zeitaufwändige Einschätzung. Wenn die Kostenoptimierung zur Norm wird, droht ein gefährlicher Zielkonflikt zwischen Ökonomie und Sicherheit.

    Wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann

    KI ist nicht per se „schlecht“; sie kann ein mächtiges Hilfsmittel sein — vorausgesetzt, sie ergänzt menschliche Expertise und ersetzt sie nicht. Praktische Leitplanken könnten sein:

  • Schwellenwerte definieren: Automatisierte Bewertungen nur für Schäden unter einer bestimmten Komplexität zulassen; darüber muss zwingend ein Vor‑Ort‑Gutachten erfolgen.
  • Transparenzpflicht: Hersteller der Software müssen Bewertungsparameter offenlegen und eine Auditierbarkeit gewährleisten.
  • Mischmodell einsetzen: Erstklassifizierung durch KI, gefolgt von stichprobenartigen physischen Kontrollen und einer verpflichtenden Expertenprüfung bei kritischen Komponenten (ADAS, Fahrwerk, Struktur).
  • Standardisierte Kalibrierprotokolle: Jede Reparatur, die ADAS‑Sensoren betrifft, muss dokumentierte Kalibrier‑ und Funktionsprüfungen aufweisen, bevor das Fahrzeug freigegeben wird.
  • Was Werkstätten und Fahrer jetzt tun sollten

    Werkstätten müssen sich auf vermehrte digitale Vorgaben einstellen, aber gleichzeitig ihre technische Sorgfalt verteidigen:

  • Dokumentation: Immer eine umfassende Schadensdokumentation anfertigen und die Notwendigkeit technischer Prüfungen begründen.
  • Kommunikation: Kunden über mögliche Risiken einer rein digitalen Abwicklung aufklären und auf physische Gutachten bestehen, falls Sensorik oder Struktur betroffen sind.
  • Qualifikation: In die Weiterbildung investieren — besonders bei ADAS‑Kalibrierung, Hochvolt‑Systemen und digitaler Schadenserfassung.
  • Regulatorische Fragen und die Rolle der Behörden

    Die Beschwerde italienischer Sachverständiger bei Wettbewerbs‑ und Versicherungsaufsichten ist symptomatisch — es bedarf klarer Regeln. Behörden sollten prüfen, in welchen Fällen automatisierte Gutachten zulässig sind und welche Qualitätsgarantien Softwareanbieter liefern müssen. Ein öffentlicher Standard für digitale Gutachten könnte helfen, die Qualität sicherzustellen und Missbrauch zu verhindern.

    Fazit für die Praxis

    KI kann die Schadenbearbeitung revolutionieren — aber nur, wenn technische Verantwortung, Transparenz und professionelle Prüfung erhalten bleiben. Für Fahrzeughalter, Werkstätten und Versicherer gilt: Effizienz darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Das richtige Zusammenspiel von Algorithmus und Fachwissen ist die Voraussetzung dafür, dass digitalisierte Prozesse den Verkehr sicherer und nicht gefährlicher machen.

    Elmer